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Ungarn

Erlebnisberichte zur Totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999
Übersicht
Auf der folgenden Karte sehen Sie den Teil Ungarns, der am 11. August 1999 vom Kernschatten des Mondes erfasst wurde. Hier sind die Beobachtungsorte eingezeichnet, zu denen Sie auf dieser Seite Beobachtungsberichte finden.

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Schattenpfad durch Ungarn (Beobachtungsberichte sind von den hier grün eingezeichneten Orten aus verfügbar)
Berichte
Stefan Seidler
(nahe Celldömölk) [»eMail]

11. August, 1999, Linz

6:00 Der Wecker läutet.
6:05 Aufstehen. Erster Blick aus dem Fenster. Starker NEBEL!!
6:10 Blick auf die aktuellsten Satellitenbilder. Ich glaub, ich dreh durch. Dichte Bewölkung über ganz Österreich. Was tun?
6:15 Anrufe bei verschiedenen Wetter-Stationen. Jede sagt das selbe: Besten Chancen im Osten. Nirgendwo eine 100%-Chance.
6:25 Anruf bei einem Freund, der eventuell mit mir mitkommen wollte. Nur die Mobil-Box ist an. Ich hinterlasse eine Nachricht, daß ich nach Osten hin aufbreche.
6:30 Abfahrt
7:00 Auf der Westautobahn Richtung Osten. Überall dunkle Wolken. Nur hinter mir im Westen ein paar blaue Flecken. Normaler Verkehr.
7:15 Anruf des Freundes. Er bleibt in Oberösterreich. Wir wünschen uns viel Glück.
9:00 Südlich von Wien, Außenringautobahn. Wetter wird etwas besser, aber keine Chance, die Sonne länger als nur für ein paar Sekunden zu sehen.
9:15 Erste Probleme mit dem Verkehr. Im Radio wird davon gesprochen, daß es schwere Verkehrsprobleme geben wird.
9:30 Auf der Süd-Autobahn Richtung Süden zu den besten Plätzen Österreichs. Der Verkehr ist unglaublich!!!! Im Radio wird von einem totalen Verkehrschaos in Wien gesprochen.
9:35 Stop auf einem Parkplatz. Schnelle Entscheidung: Was tun? Nach Süden wie geplant oder alles anders machen? Ein Blick zum Himmel sagt mir, im Osten wird es schön. Ich muß mich schnell entscheiden, da der Verkehr jede Sekunde langsamer wird.
9:45 Ich verlasse die Südautobahn. SUPER-ENTSCHEIDUNG. Ich fahre Richtung Osten zur ungarischen Grenze. FAST KEIN VERKEHR.
10:00 An der Grenze zu Ungarn. Das Wetter in diese Richtung wird besser und besser. Unglaublich: Ich bin der einzige an der Grenze.
10:05 Nach der Grenzkontrolle ab Richtung Südosten immer tiefer in die Kernzone hinein. Ebenso in Ungarn: Fast kein Verkehr. Niemand auf den Straßen. Eigenartig. Das Wetter wird unglaublich schön. Nur ein paar Wolken am Himmel. Das österreichische Radio erzählt vom größten Verkehrschaos aller Zeiten.
10:30 Einen netten Platz bei einem Feld gefunden. Ein paar Deutsche haben sich auch dort postiert. Ich entschließe mich, dazubleiben. Gute Sicht bis zum Horizont in jede Richtung.
11:00 Das Radio redet vom völligen Verkehrszusammenbruch. Keine Chance mehr, in die Kernzone zu kommen. Nur noch 25 Minuten bis zum Kontakt. Nur ein paar kleine Wolken am Himmel und ein paar größere weit entfernt am Horizont.
11:25 Kontakt
11:45 Ich werde nervös. Wolken vom Westen bewegen sich langsam in unsere Richtung.
12:00 Nur noch 45 Minuten. Die Wolken sind nach wie vor weit weg. Aber sie haben ihre Richtung nicht geändert. Sie KÖNNTEN in 45 Minuten HIER SEIN.
12:05 Eine weitere schnelle Entscheidung. Ich fahre. Zu viel Risiko. Die Deutschen bleiben.
12:06 In James-Bond-Manier jage ich Richtung Süd-Osten. Ich bin noch nie zuvor in so einer Art und Weise durch kleine Dörfer und über kleine Straßen gefetzt. Aber kein Verkehr, keine Menschen auf den Straßen. Wirklich eigenartig.
12:18 Neuen Platz gefunden. VIEL BESSER als der erste. Ein kleiner Hügel mit Feldern, einem kleinen Wäldchen und ein paar alleine stehende Bäume in dem Grillen zirpen. Hervorragende Sicht über den ganzen Horizont und total ALLEINE. NIEMAND rund um mich.
12:20 Blick auf den Himmel. Blau, blau, blau. Nur die Wolken von Westen her ziehen nach wie vor in meine Richtung. Aber jetzt sind sie noch sehr weit weg. Sie werden in einer halben Stunde garantiert nicht hier sein. Jetzt weiß ich: ICH WERDE DIE FINSTERNIS OHNE WOLKEN AM HIMMEL SEHEN!!!
12:30 Langsam ändert sich das Licht. Das Licht wird so ähnlich wie bei Sonnenuntergang aber nicht nur in eine Richtung, überall.
12:35 Aus den Wäldern höre ich Krähen und Raben. Sie beginnen zu krächzen. Das Licht wird total eigenartig. Die Schatten werden viel schärfer. Ich bin unglaublich nervös und erkenne, daß meine größten Erwartungen übertroffen werden.
12:40 Nur noch ein paar Minuten bis zur Totalität. Aus den Wäldern fliegt ein großer Schwarm Vögel in Richtung Süd-Osten. Es ist nach wie vor hell. Aber das Licht ist wie aus einer anderen Dimension. Von Westen her wird es dunkler und dunkler. Die Wolken werden violett, rot, grün. Fast jede Farbe kann man irgendwo sehen.
12:44 Es wird immer schneller immer dunkler.
12:45 TOTALITÄT. Ich kann es kaum glauben. Die Stimmung ändert sich dramatisch. Die Grillen sind stumm. Es IST still überall. Nichts zu hören. Die Welt ist stehengeblieben. Die Korona ist sensationell zu sehen. Ebenso die Explosionen auf der Sonnenoberfläche. Die Venus scheint sehr hell. Im Norden sind die Wolken am Horizont blutrot. Im Süden ist es pechschwarz. Meine Emotionen sind total außer Kontrolle. Ich kann keinen Laut von mir geben. Stehe nur mit offenem Mund da. Ein Gefühl wie in einer total anderen Welt.
12:47 Die Sonne beginnt wieder zu erscheinen. Es ist vorbei.
12:48 Ich muß mich niedersetzen. Emotionen überkommen mich. Über die Felder schlängeln sich zwei fliegende Schatten. Ich kann mich nicht mehr halten. Tränen steigen in mir hoch.
13:00 Ich stehe langsam auf und gehe zu meinem Auto. Die Welt ist wieder normal.
13:05 Wolken schieben sich vor die Sonne.
14:00 Im Auto. Mit offenem Mund. Mein Freund ruft an. Auch er sah die Totalität. Wir gratulieren uns. Aber ich kann noch nicht darüber sprechen.
15:00 Wieder in Österreich. In einem langen, langen Stau. Nirgends schlechtgelaunte Gesichter. Jeder lächelt.
18:00 Zurück in Linz. Ich treffe mich mit meinen Freunden. Die gleiche Reaktion. Alle Erwartungen wurden übertroffen.

Volker Witt
(nahe Simontornya) [»eMail]

Ungarische Finsternis

Noch ein Tag bis zur Finsternis und es regnet in Strömen! Sollten wochenlange Vorbereitungen, um das astronomische Großereignis vor der eigenen Haustür beobachten zu können, tatsächlich umsonst gewesen sein? Meine erste und wohl auch einzige totale Sonnenfinsternis sollte dem Wetter zum Opfer fallen? Undenkbar! Inzwischen melden die Wetterfrösche für den Heimatort München nur mehr eine Chance von 20%, besser soll es in Stuttgart oder Saarbrücken sein, und erst recht in Frankreich mit 80%. Also nichts wie weg von hier! Aber wohin? Da wäre doch noch der Geheimtip Ungarn, dort soll das Wetter beständiger sein, Kontinentalklima, nicht vom Atlantik beeinflußt! Die SoFi-Ausrüstung wird im Auto verstaut. Habe ich auch nichts vergessen, Kameras, Filme, Objektive, Batterien, Drahtauslöser, Fernglas, Taschenlampen, Landkarten, Sonnenfilter, Stromkabel, Ausweis? Hektik bricht aus, noch 24 Stunden bis zur Totalität!
Nach einer Parforcetour über 900 km treffe ich gegen Mitternacht an den Gestaden des Plattensees ein, laue, südliche Luft empfängt mich, und am Seeufer campieren schon Heerscharen von angereisten SoFi-Touristen. Über mir wölbt sich ein sternklarer Himmel, der mich in meiner Vermutung bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Nach einer kurzen und wenig komfortablen Nacht weckt mich das prasselnde Geräusch von niedergehendem Regen. Ernüchterung kehrt ein, die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Bin ich soweit gefahren, um nun wieder im Regen zu stehen? Positiv denken, nicht aufgeben!
Ich fahre auf der Zentrallinie weiter nach Osten, und siehe da, der Himmel lichtet sich und eine Weile später färbt er sich bereits blau. Hoffnung keimt wieder auf.
In dem kleinen Ort Simontornya, genau auf der Zentrallinie, ist bereits ein Sonnenfinsternisfest im Gange. Inzwischen haben sich die meisten Wolken verzogen, und so baue ich in der Nähe dieses sympathischen Dorfes auf einem abgeernteten Maisfeld meine Ausrüstung mit Blick nach Westen auf. Und es widerfährt mir das unwahrscheinliche Glück, daß ich das Himmelsspektakel vom 1. bis zum 4.Kontakt ungetrübt verfolgen kann.
Um 12:50 MESZ ist es soweit, der Himmel ist jetzt ganz klar, aber von einer eigentümlichen fahlen Färbung, die Sonnensichel ist nur mehr hauchdünn und der Mondschatten nähert sich nun wie ein schwarzer Schirm von Westen her. Dann geht alles furchtbar schnell. Ich reiße die Folien von den Objektiven, der Diamantring erscheint, Venus erstrahlt und dann der unvergeßliche Anblick der schwarzen Sonne, die von der himbeerroten Chromosphäre gesäumt wird. Nun sollte man seine Sinne überall gleichzeitig haben können, noch besser wäre Zeitlupe, warum kann man den Mond nicht anhalten? Die Stimmung ist überirdisch. Die Kameras auslösen, eigentlich viel zu profan für diesen erhabenen Moment, der Film ist zu Ende, also mit dem Fernglas beobachten! Im 7x50 füllt die Korona das ganze Gesichtsfeld aus, die Streamer sind wie ziseliert, eine unglaubliche Detailfülle in der Struktur der Korona, das kann kein Film wiedergeben, einfach faszinierend! Nach 2min 22s blendet der zweite Diamantring auf, und das Licht kehrt in die Landschaft zurück.
Ein angenehmes Glücksgefühl umgibt mich und zufrieden lasse ich das Erlebte bis zum 4.Kontakt ausklingen.
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Ende Oktober 2007 zeigte Komet Holmes einen gewaltigen Helligkeits- Sprung und wurde zum größten Objekt im Sonnensystem