Astro Corner - www.astrocorner.de Dienstag, 28. April 2026
Astro Corner - www.astrocorner.de
AKTUELL WISSEN SERVICE INTERN
zurück
Astro Corner » Wissen » Finsternisse » Sonnenfinsternisse » Archiv » 11.08.1999 » Erlebnisberichte » Baden- Württemberg
 Aktuell »
» AstroNews
» Sternhimmel
» NewsMail
 Wissen »
» Kosmologie
» Finsternisse
» Lexikon
 Service »
» Software
» Links
 Intern »
» Kontakt
» Impressum

Baden- Württemberg

Erlebnisberichte zur Totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999
Übersicht
Auf der folgenden Karte sehen Sie den Teil Deutschlands, der am 11. August 1999 vom Kernschatten des Mondes erfasst wurde. Hier sind die Beobachtungsorte eingezeichnet, zu denen Sie auf dieser Seite Beobachtungsberichte finden.

astrocorner.de
Schattenpfad durch Süddeutschland (Beobachtungsberichte sind von den hier grün eingezeichneten Orten aus verfügbar)
Berichte
Christoph Sprengard
(Schloßpark Karlsruhe) [»eMail]

Die Wetterberichte diversester Quellen verhießen ja leider nichts Gutes für den Tag der Tage. Der elfte August 1999, Tag der totalen Sonnenfinsternis in Deutschland, sollte leider recht verregnet werden. Denn das Zwischenhoch verlangsamte sich in der Nacht vom 10. auf den 11.08 in seiner Bewegung gen' Osten. Das hieß für den Südwesten: Morgends Regen, mittags Wolkenlücken. Aber wo und wann genau? Nach gründlicher Internet-recherche entschieden wir uns für Karlsruhe. Und da landeten wir dann letztendlich auf der Wiese vor dem Schloß mit 10.000den von Zuschauern. Es war knackevoll, wie in der ganzen Stadt. Nach Zeitungsberichten des folgenden Tages tummelten sich eine halbe Million Menschen in Karlsruhe um die Totale zu erleben!
Die Daten:
Totalitätsdauer: 2:08, Erster Kontakt: 11:12:12, Beginn der Totalen: 12:31:39, Ende der Totalen: 12:33:47, Ende der Partiellen: 13:55:21
7:05 Abfahrt des Interregio nach Karlsruhe am Mainzer Hauptbahnhof. Der Zug war noch recht leer, aber in Darmstadt standen etwa 500 Menschen am Bahnsteig...
8:35 Ankunft in Karlsruhe. Der Zug ist zwar voll, aber doch nicht so gnadenlos wie gedacht. Die Hölle ist erst im nächsten IR, welcher zwei Stunden später einläuft, los.
9:30 Wir sitzen im Cafe am Marktplatz. Es ist bereits brechend voll. Das Wetter ist leider eher traurig. Aber die Wolken scheinen nicht allzu dick zu sein und sie ziehen weiter...
10:00 Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Bäckerei in der wir grad Pannini essen.
10:20 Auf dem Marktplatz ist die Hölle los, die Sonne kommt wieder raus, verschwindet aber dann hinter dicken Wolken. Aber die ziehen langsam weiter...
10:30 Wir laufen langsam in Richtung Schloß. Immer wieder schweifen die Blicke gen' Himmel...
11:00 Wir haben ein gutes Plätzchen auf der Schloßwiese gefunden, direkt bei einer Gruppe Hobbyastronomen.
11:12 Den ersten Kontakt verhüllen leider Wolken, und es sieht beileibe nicht gut aus. Die Hobbyastronomen neben uns mit ihren langen Objektiven sind von Entsetzen gezeichnet.
11:30 Das Wetter wird besser. Jetzt nur geringe Wolkenschleier vor der Sonne. Die Sichelbildung durch den Mond ist deutlich zu erkennen. Ein Aufatmen und Jubelrufe gehen durch die Menge.
12:10 Nach Wolken, schwarzen Wolken, da ist die Sonne wieder, etc. -Erlebnissen naht von Westen (da kommt das Wetter her!) ein blaues Loch mit nur noch kleineren Wölkchen...ich hoffe es hält bis nach der Totalen...
12:28 Es wird immer besser, sollten wir so einen Dusel haben... Das blaue Loch müsste in einer Minute vor der Sonne sein und mindestens ein paar Minuten halten.
12:31:39 Irre, Unbeschreiblich, Überirdisch, ja WAHNSINN... Eine unglaubliche Corona entfaltet sich unter aschfahlem Licht und absolut freiem Himmel in der Umgebung der Sonne. Die Venus ist links neben der Corona ganz prominent. Jubel brandet auf... Ein eigenartiges Licht liegt auf dem Schlosspark. Etwa wie zu Zeiten dunkler Dämmerung. Irgendwie unwirklich.
12:33:47 Die Sonne kehrt zurück. Innerhalb von etwa 10 Sekunden ist dieses fahle Licht verschwunden und weicht dem bekannten gelben Sonnenfeuer. Noch etwas deutlich dunkler zwar, aber nach einer Minute ist auch dieser Eindruck Vergangenheit. Was etwa 99 % Bedeckung bedeutet. Was für ein Unterschied !
12:40 Der Himmel zieht langsam wieder zu. Am Teleskop der Astronomen nebenan sehen wir die Sonnensichel als Projektion immer größer werden. Das Licht ist wieder völlig normal. Mit unseren Beobachtungs-Nachbarn ( welch Zufall, haben auch in Mainz studiert oder kommen aus Karlsruhe! ) begeben wir uns Richtung Innenstadt. Da soll es recht passable Lokalitäten geben...
12:50 Es fängt an leicht zu regnen.
13:30 Der Regen wird stärker, aber wir sitzen mittlerweile im Trockenen.
14:30 Es wird beschlossen das Museum für Kunst & Medientechnologie ( ZMK ) zu besuchen.
17:00 Nach dem ( sehr interessanten, mal was ganz anderes ) Besuch im ZKM chartern wir uns 2 Taxen und fahren in strömendem Regen zum Bahnhof. Ein wahrhaftig überirdischer Tag geht zu Ende. Ich habe bereits beschlossen mich in Mainz in die Badewanne zu legen und PINK FLOYD zu hören...

Josef Graef / Dr. Rolf Wilmes
(Ebersteinburg bei Baden Baden) [»eMail / »eMail]

Das Wunder von Ebersteinburg

Am 11. August trafen wir uns mit zahlreichen Freunden und Bekannten auf einer Wiese unterhalb der Ruine Ebersteinburg nördlich von Baden-Baden. Dieser Platz war schon im Mai von unserem Orga-Komitee als bester Beobachtungsort zwischen Karlsruhe und Baden-Baden ausgewählt worden: freies, nach Nordwesten abfallendes Gelände mit gutem Blick über die Rheinebene.
Angereist waren etwa hundert Leute aus Gießen und Wiesbaden. Zwei Firmen und das Mathematische Institut der Uni Gießen hatten einen Betriebsausflug organisiert. Wir waren allerdings nicht die einzigen, die Ebersteinburg favorisierten. Eine badische Lokalzeitung hatte ihren Lesern diesen Ort empfohlen. Insgesamt waren auf der Wiese etwa tausend Menschen versammelt, ausgerüstet mit SoFi-Brillen, Kameras und Fernrohren.
Zur Zeit des berechneten Erstkontaktes um 11:11:47 Uhr versperrten Wolken den Blick auf unser Zentralgestirn. Etwa drei Minuten später wurde die erste Sichtung der nun schon leicht angeknabberten Sonne mit Applaus begrüßt. In der Zeit bis zum Zweitkontakt sah man die Sonne nur manchmal wenige Sekunden lang durch Wolkenlücken scheinen. Etwa zwanzig Minuten vor dem Zweitkontakt zog sich der Himmel völlig mit dunklen Wolken zu und ein feiner Nieselregen setzte ein. Zu diesem Zeitpunkt ließen die meisten alle Hoffnung fahren.
Doch dann geschah das Wunder von Ebersteinburg: Eine Minute vor dem Zweitkontakt riß der Himmel auf und gab den Blick auf eine hauchdünne Sonnensichel frei. In der Rheinebene wurde es kontinuierlich dunkler und in den Städten ging die Beleuchtung an. Alle Blicke richteten sich nach oben, die Menschen verstummten. Die Dramatik dieses Augenblicks wurde noch gesteigert durch schnell vorbeiziehende dünne Wolkenfetzen.
Dann wurde es schlagartig dunkel und die Korona wurde sichtbar. Mit bloßem Auge konnte man Protuberanzen als rote Punkte am Sonnenrand erkennen. Die helle Venus war zu sehen.
Einige empfanden die Zeitdauer als lange und kurz zugleich, andere vergaßen ihre penibel ausgearbeiteten Beobachtungs- und Fotografierpläne völlig und verharrten staunend.
Eine schnelle Dämmerung aus Richtung Baden-Baden kündigte das Ende an, die erste Lichtperle zeigte sich am Sonnenrand bei zwei Uhr.
Stimmengewirr und Jubelschreie waren zu hören, manche umarmten sich. Alle wollten sich austauschen über das Unglaubliche.
Das Interesse an der folgenden zweiten partiellen Phase wich einer allgemeinen Feierstimmung. Sektflaschen wurden entkorkt.
Viele verließen den Ort des Geschehens noch vor dem Viertkontakt, der wegen aufzeihender Wolken nicht mehr beobachtet werden konnte. Diejenigen unter uns, die noch länger (bis 15.30 Uhr ) in Ebersteinburg verweilten, konnten erleben, wie sich von Westen her pechschwarze Wolken über die Rheinebene schoben. Danach regnete es in Strömen und alle jetzt noch Anwesenden empfanden das Glück doppelt: Im entscheidenden Moment hatte sich der Himmel wie ein Fenster geöffnet.

Christoph Grupe
(Schloßpark Karlsruhe) [»eMail]

In Karlsruhe, Schloßpark, in einer wundervollen Fügung tat sich pünktlich kurz vor 12.30 Uhr ein Sichtfenster in den Wolken auf, und die ganze Totalität der Bedeckung war klar zu sehen, einfach megageil :-))
So kurz war, daß es nachträglich wie ein irrer Traum erschien. Die Korona, die Protuberanzen, die Dämmerungsfarben im Norden............
Erst der Jubel von 40.000 Leuten, dann quasi Totenstille! So etwas wirkt psychisch noch lange nach...

Thomas Weisbach
(Bad Herrenalb/Rotensol) [»eMail]

Dienstag, 16:00 Uhr
Kinder, Frau und natürlich die Ausrüstung ins Auto gepackt und nach Bad Herrenalb/Rotensol gedüst. Gegen 02:00 Uhr waren wir da, ein kurzer Blick auf den geplanten Boebachtungsort, traumhaft gelegene Südterrasse, über mir ein wolkenloser Himmel, Sterne herunter bis 5.5 mag, Milchstraße herrlich... Eigentlich sollte man jetzt aufbauen und schauen, aber Sterne kann ich auch andermal schauen...

Mittwoch
06:00 Uhr, erster Blick aus dem Fenster, alles zu... :-( Frühstück gegen 07:00 Uhr, dabei Wetterbericht gehört, die Aussichten sind nicht rosig, aber es soll ein paar Lücken geben, die Cousine meiner Frau (Hausherrin) ist sich sicher: "Das sah gestern früh genauso aus, um 10:00 Uhr sind die Wolken weg." Nun gut, wir werden sehen... Für kurzfristige Suche nach Wolkenlöchern bin ich ohnehin nicht mobil, der Verkehrsfunk ermuntert nicht dazu, sich ins Auto zu setzen...
10:30 Uhr, tatsächlich, es reißt auf! Schnell aufbauen! Die Zeit vergeht wie im Flug, schon bewundern wir den ersten Kontakt und immer noch ist der Himmel bis auf ein paar kleine Schleier frei... der Mond "schluckt" gerade die langgestreckte Fleckengruppe, da zieht es zu... :-(
Die Zeit rast! Im Fernseher sehen wir die ersten Bilder der Totalität aus England, Frankreich und bei uns keine Wolkenlücke... Es ist zum Verrücktwerden!
12:32 Uhr, fast schlagartig ist es stockfinster, da ist sie, die Totalität, die wir sehen wollten... :-( Ich bin am Boden zerstört, während die anderen mit Sekt anstoßen, suche ich mir eine stille Ecke, ich muß meine Enttäuschung und den Eindruck der Dunkelheit verarbeiten...
12:34 Uhr, so plötzlich wie es dunkel wurde, wird es auch wieder hell, meine Frau kommt und tröstet... Alle sind begeistert. Ja, es war ein Erlebnis, diese Dunkelheit! Aber ich darf nicht daran denken, was wir nicht sehen konnten...
Gegen 13:00 reißt der Himmel wieder auf, den vierten Kontakt sehe ich so gut wie den ersten... Ich bin immer noch fassungslos... 15:00 Uhr zieht es wieder zu und bleibt bedeckt, damit sind auch die Perseiden für diese Nacht gestorben... :-(

Donnerstag
18:00 Uhr bin ich wieder in Chemnitz und telefoniere mit Andreas Viertel, unserem Sonnenfachmann. Unfaßbar! Keine 20 km von meinem Standort entfernt, hat er die Totalität gesehen und auch Fotos machen können...
20:00 Uhr, ein Freund, der keine Ahnung von Astronomie hat, ruft mich an und teilt mir mit, daß er auf der Rückreise aus Ungarn die Totalität sehen konnte. Das ist Salz auf meinen Wunden...

Ein Trost bleibt: ganz sicher werde ich mich auf die Reise machen, wenn irgendwo auf dieser Welt wieder ein solches Schauspiel ansteht. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht irgendwann mal die Korona mit eigenen Augen sehen kann. Ich favorisiere den 29.03.2006 in der Türkei...

Dietmar Peglow
(nahe Ulm) [»eMail]

Ich hatte mich in der Naehe von Ulm positioniert und just bevor der Totalitaet riss die Wolkendecke auf! Die Leute fingen an jubeln und eine Frau ein paar Meter neben mir fing an zu schreien !! Der absolute Hammer fuer mich war die ploetzlich eintretende Dunkelheit, die sehr merkwuerdig war. Hinzu kam der duestere, mit grauen Wolken verhangene Himmel nach dem Gewitter. Ich hatte beim Eintreten der Dunkelheit das Gefuehl, die Dunkelheit wuerde mit "aufsaugen" oder irgendwie hinwegheben. Und dann der Anblick der Sonne. WOW! Mein erster Gedanke: Wo ist die naechste SOFI? Ich bin dann kurz danach wieder nach Berlin zurueck und hatte im Verkehrschaos (55km Stau auf der A7) genuegend Zeit, nochmal darueber nachzudenken. GAENSEHAUT, GAENSEHAUT und nochmals GAENSEHAUT. Wenn es klappt, bin ich 2001 dabei, wollte ja schon immer mal nach Afrika.

Rudolf Horn
(Ettlingen) [»eMail] / [»Home]

Am Tag der Sonnenfinsternis war das ganze Team unserer Augenarztpraxis natürlich unterwegs zur Beohtung. Wir zogen in die Totalitätszone nach Ettlingen, um die Finsternis in ganzer Länge sehen zu können. Nach den vielen Anfragen der letzten Wochen von Rundfunkstationen, der regionalen und überregionalen Presse sowie von Schulen und Einzelpersonen während und ausserhalb der Dienstzeiten uber die Gefahren und Schutzmöglichkeiten der Sonnenfinsternisbeobachtung hatten sich alle MitarbeiterInnen ein paar freie Stunden verdient.
So hatten wir nur für den späten Mittwoch Nachmittag eine Notfallsprechstunde eingerichtet, um eventuell eingetretene Lichtschäden der Netzthaut rechtzeitig behandeln zu können. Glücklicherweise stellten sich alle von Patienten befürchteten Augenverletzungen durch Sonnenfinsternisbeobachtung als Bindehautentzündungen heraus - niemand hatte glücklicherweise bis einschliesslich Freitag abend einen Schaden davongetragen.
Auch ein Anruf in der Univ.-Augenklinik Freiburg bei Dr. Lagrèze zeigte, dass im Freiburger Raum keine gravierenden Schäden an den Augen der Beobachter entstanden sind. Etwa 20 Patienten stellten sich in der Klinik vor mit vermeintlichen Lichtschäden, aber glücklicherweise liess sich nur ein Befund fraglich auf leichtsinnige Sonnenfinsternisbeobachtung zurückführen.
Es war wohl so, dass sich zum einen der doch zumeist bedeckte Himmel schützend auswirkte, zum anderen aber auch die Aufklärungsarbeit in den Medien Früchte trug. Beispielsweise waren in Ettlingen,wo wir beobachteten, mehrere hundert Menschen versammelt, die ausnahmslos Schutzbrillen trugen. So kann man davon ausgehen, dass sich ein Desaster wie 1912, als mehr als 3000 Menschen bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis Augenschäden erlitten, nicht wiederholt hat.
Den ganzen Morgen war der Himmel über Ettlingen stark bewölkt, von wenigen Lücken abgesehen. Auch der erste Kontakt liess sich nur durch eine kleine Wolkenlücke beobachten. Danach verdichtete sich der Himmel zunehmend, und wir hatten schon die Hoffnung auf klare Sicht aufgegeben. Aber in den letzten fünf Minuten riß der Himmel auf, und man konnte die langsam verlöschende schmale Sichel sowie die gesamte Totalität in voller Pracht bewundern - die Corona, den Solitär und mit dem Fernglas viele Protuberanzen an der Neumondkante. Ganz dunkel wurde es nicht. Venus und Merkur waren zu sehen, die anderen Sterne entweder nicht sichtbar oder hinter Wolken verborgen. Die gut zwei Minuten Totalität waren im Nu vorbei, natürlich viel zu kurz. Am eindrucksvollsten empfand ich den ersten wiederkehrenden Lichtstrahl, der nach dem Dunkel hell hinter der Mondscheibe hervorschoß - von der Sonne kommend, vor vierhunderttausend Kilometern eben haarscharf am Mond vorbei, und dann genau in unsere Pupillen auf die dunkeladaptierte Netzhaut. Here comes the sun...Die Heimfahrt durch die größten Staus der Bundesrepublik (laut Nachrichten bei SDR3) dauerte fast vier Stunden. In dieser Zeit kann man sonst bis nach Lyon fahren...
Die Beobachtung, dass der Himmel in letzter Minute aufklarte, hörte ich in den letzten Tagen von vielen Freunden, die mir von ihren Beobachtungen berichteten bzw. Berichte schickten. Was ist die Grundlage für dieses Phänomen?
Bei zunehmender Bedeckung der Sonne kühlen die darunterliegenden Luftmassen aus und sinken ab. Beim Absinken erwärmen sie sich um ca. ein Grad pro hundert Meter, weshalb mehr kondensierte Feuchtigkeit in den gelöstem Zusatand übergehen kann --» Die Wolken lösen sich auf, der Himmel wird klar. Dieser 'Finsterniswind' macht sich am Boden gelegentlich mit einigen Böen bemerkbar. Durch den freien Himmel konnten wir einige Aufnahmen von der Corona machen, nach der Totalität auch von Sonnensicheln am Boden. Wir waren überrascht von der Größe dieser Sicheln, die gut 20 cm im Durchmesser maßen.Die Dunkelheit hingegen war bescheiden - es blieb deutlich heller als in einer Vollmondnacht, und man konnte die Umgebung zwar verfinstert, aber noch immer gut und farbig sehen.Die nur geringe Dunkelheit läßt sich wohl auf zwei Ursachen zurückführen. Zum einen auf Streulicht durch die starke Bewölkung, zum anderen auf eine stark ausgebildete, dichte und helle Corona, denn wir nähern uns dem Sonnenaktivitätsmaximum im elfjährigen Zyklus. Es war eine ausgesprochene Maximumscorona zu sehen, im Genegsatz zur schöneren, weil filigranen Minimumscorona. Sie umgab ohne große Strukturierung hell die gesamte Neumondscheibe. Entsprechend waren eindrucksvolle, große Protuberanzen im Fernglas zu sehen, auch Sonnenflecken mit den Brillen bereits ohne Vergrößerung.
Eine normale Corona leuchtet etwa viermal so hell wie der Vollmond, und ich schätzte die Helligkeit während unserer Totalität auf gut 5-6x Vollmondhelligkeit ein - z. B. war immer Farbensehen möglich, wir lagen stets oberhalb des skotopischen und mesopischen Helligkeitsbereiches. Bei einer klaren Vollmondnacht kann man die Farben eben unterscheiden, wenn sie nicht zu dunkel sind, Farbnuancen dagenen nicht.

Mathias Bachmann
(Achern) [»eMail]

Hier in Achern wars unglaublich spannend - auch bei schlechtem Wetter war die SoFi ein eindrucksvolles Erlebnis.
Wir sind morgens um 9:00 aufgebrochen auf einen huebschen Huegel, den wir uns am Vortag ausgesucht hatten. Natuerlich war alles ziemlich verhangen, aber erst mal sah es zumindest noch hoffnungsvoll aus - im Lauf der Zeit wurde die Wolkendecke aber immer mehr einheitlich grau, unterbrochen von gelegentlich ziemlich kraeftigen Wolkenbruechen. Unser Beobachtungshügel wurde dann aber mit der Zeit zu feucht und ungemütlich, so daß wir gerne der Einladung einer freundlichen Frau folgten, ihren überdachten Balkon mit unglaublich guter Sicht über die gesamte Rheinebene zu nutzen.
Beim Umzug ging uns dann wohl ein bißchen die Orientierung verloren, wo denn nun die Sonne auftauchen könnte. Erstmal hat es sich gut eingeregnet, bis dann kurz vor Totalität ein paar Wolkenlücken unsere Motivation neu entfachten. Und auf einmal rief Team-member Patricia laut: "Do isch se!!!" und zeigte auf einen hellen Fleck ca. 80 Grad abseits unserer Blickrichtung. Wir setzten schnell unsere Brillen auf, um dann endlich auch die ganz schmale Sonnensichel zu bewundern. Jedoch war diese schnell wieder unseren Blicken entfleucht.
Dann geschah das Dramatische (Grandiose, Unbeschreibliche,...) : DER KERNSCHATTEN!!! Nie wahrgenommene Beleuchtung - Ueberfallartig einsetzende Dunkelheit - unser Verstummen - Betroffenheit - Wunder der Schöpfung -zwei Minuten lang
Vom Rhein her rollt eine Morgendaemmerung auf uns zu. Wir sehen sie viel deutlicher herannahen als zuvor den Schatten. Das Licht wird wieder vertrauter, und wir werden wieder redseliger.
Die Sonne, die Welt und der Alltag haben uns wieder.

SoFi - Team Achern (Edda, Gerhard, Daniel, Benedikt, Patricia, Paul, Franziska, Helen, Mathias u. Tobias (juengstes Mitglied, 4 Monate)
blättern
interne Links zum Thema
 Astro Corner » Wissen » Finsternisse » Sonnenfinsternisse » Archiv » 11.08.1999 » Erlebnisberichte »
» Frankreich
» Saarland
» Rheinland- Pfalz
   Baden- Württemberg
» Bayern
» Österreich
» Ungarn
» Weltweit
Uranus
Beobachtung des blauen Gasplaneten
Astro Corner gibt hilfreiche Hinweise zur Beobachtung des blauen Gasplaneten