Christoph
Sprengard
(Schloßpark Karlsruhe) [
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Die
Wetterberichte diversester Quellen verhießen ja leider nichts
Gutes für den Tag der Tage. Der elfte August 1999, Tag der totalen
Sonnenfinsternis in Deutschland, sollte leider recht verregnet
werden. Denn das Zwischenhoch verlangsamte sich in der Nacht vom
10. auf den 11.08 in seiner Bewegung gen' Osten. Das hieß für
den Südwesten: Morgends Regen, mittags Wolkenlücken. Aber wo und
wann genau? Nach gründlicher Internet-recherche entschieden wir
uns für Karlsruhe. Und da landeten wir dann letztendlich auf der
Wiese vor dem Schloß mit 10.000den von Zuschauern. Es war knackevoll,
wie in der ganzen Stadt. Nach Zeitungsberichten des folgenden
Tages tummelten sich eine halbe Million Menschen in Karlsruhe
um die Totale zu erleben!
Die Daten:
Totalitätsdauer: 2:08, Erster Kontakt: 11:12:12, Beginn der Totalen:
12:31:39, Ende der Totalen: 12:33:47, Ende der Partiellen: 13:55:21
7:05 Abfahrt des Interregio nach Karlsruhe am Mainzer Hauptbahnhof.
Der Zug war noch recht leer, aber in Darmstadt standen etwa 500
Menschen am Bahnsteig...
8:35 Ankunft in Karlsruhe. Der Zug ist zwar voll, aber doch nicht
so gnadenlos wie gedacht. Die Hölle ist erst im nächsten IR, welcher
zwei Stunden später einläuft, los.
9:30 Wir sitzen im Cafe am Marktplatz. Es ist bereits brechend
voll. Das Wetter ist leider eher traurig. Aber die Wolken scheinen
nicht allzu dick zu sein und sie ziehen weiter...
10:00 Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Bäckerei in der
wir grad Pannini essen.
10:20 Auf dem Marktplatz ist die Hölle los, die Sonne kommt wieder
raus, verschwindet aber dann hinter dicken Wolken. Aber die ziehen
langsam weiter...
10:30 Wir laufen langsam in Richtung Schloß. Immer wieder schweifen
die Blicke gen' Himmel...
11:00 Wir haben ein gutes Plätzchen auf der Schloßwiese gefunden,
direkt bei einer Gruppe Hobbyastronomen.
11:12 Den ersten Kontakt verhüllen leider Wolken, und es sieht
beileibe nicht gut aus. Die Hobbyastronomen neben uns mit ihren
langen Objektiven sind von Entsetzen gezeichnet.
11:30 Das Wetter wird besser. Jetzt nur geringe Wolkenschleier
vor der Sonne. Die Sichelbildung durch den Mond ist deutlich zu
erkennen. Ein Aufatmen und Jubelrufe gehen durch die Menge.
12:10 Nach Wolken, schwarzen Wolken, da ist die Sonne wieder,
etc. -Erlebnissen naht von Westen (da kommt das Wetter her!) ein
blaues Loch mit nur noch kleineren Wölkchen...ich hoffe es hält
bis nach der Totalen...
12:28 Es wird immer besser, sollten wir so einen Dusel haben...
Das blaue Loch müsste in einer Minute vor der Sonne sein und mindestens
ein paar Minuten halten.
12:31:39 Irre, Unbeschreiblich, Überirdisch, ja WAHNSINN... Eine
unglaubliche Corona entfaltet sich unter aschfahlem Licht und
absolut freiem Himmel in der Umgebung der Sonne. Die Venus ist
links neben der Corona ganz prominent. Jubel brandet auf... Ein
eigenartiges Licht liegt auf dem Schlosspark. Etwa wie zu Zeiten
dunkler Dämmerung. Irgendwie unwirklich.
12:33:47 Die Sonne kehrt zurück. Innerhalb von etwa 10 Sekunden
ist dieses fahle Licht verschwunden und weicht dem bekannten gelben
Sonnenfeuer. Noch etwas deutlich dunkler zwar, aber nach einer
Minute ist auch dieser Eindruck Vergangenheit. Was etwa 99 % Bedeckung
bedeutet. Was für ein Unterschied !
12:40 Der Himmel zieht langsam wieder zu. Am Teleskop der Astronomen
nebenan sehen wir die Sonnensichel als Projektion immer größer
werden. Das Licht ist wieder völlig normal. Mit unseren Beobachtungs-Nachbarn
( welch Zufall, haben auch in Mainz studiert oder kommen aus Karlsruhe!
) begeben wir uns Richtung Innenstadt. Da soll es recht passable
Lokalitäten geben...
12:50 Es fängt an leicht zu regnen.
13:30 Der Regen wird stärker, aber wir sitzen mittlerweile im
Trockenen.
14:30 Es wird beschlossen das Museum für Kunst & Medientechnologie
( ZMK ) zu besuchen.
17:00 Nach dem ( sehr interessanten, mal was ganz anderes ) Besuch
im ZKM chartern wir uns 2 Taxen und fahren in strömendem Regen
zum Bahnhof. Ein wahrhaftig überirdischer Tag geht zu Ende. Ich
habe bereits beschlossen mich in Mainz in die Badewanne zu legen
und PINK FLOYD zu hören...
Josef
Graef / Dr. Rolf Wilmes
(Ebersteinburg bei Baden Baden) [
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/
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Das
Wunder von Ebersteinburg
Am 11. August trafen wir uns mit zahlreichen Freunden und Bekannten
auf einer Wiese unterhalb der Ruine Ebersteinburg nördlich von
Baden-Baden. Dieser Platz war schon im Mai von unserem Orga-Komitee
als bester Beobachtungsort zwischen Karlsruhe und Baden-Baden
ausgewählt worden: freies, nach Nordwesten abfallendes Gelände
mit gutem Blick über die Rheinebene.
Angereist waren etwa hundert Leute aus Gießen und Wiesbaden. Zwei
Firmen und das Mathematische Institut der Uni Gießen hatten einen
Betriebsausflug organisiert. Wir waren allerdings nicht die einzigen,
die Ebersteinburg favorisierten. Eine badische Lokalzeitung hatte
ihren Lesern diesen Ort empfohlen. Insgesamt waren auf der Wiese
etwa tausend Menschen versammelt, ausgerüstet mit SoFi-Brillen,
Kameras und Fernrohren.
Zur Zeit des berechneten Erstkontaktes um 11:11:47 Uhr versperrten
Wolken den Blick auf unser Zentralgestirn. Etwa drei Minuten später
wurde die erste Sichtung der nun schon leicht angeknabberten Sonne
mit Applaus begrüßt. In der Zeit bis zum Zweitkontakt sah man
die Sonne nur manchmal wenige Sekunden lang durch Wolkenlücken
scheinen. Etwa zwanzig Minuten vor dem Zweitkontakt zog sich der
Himmel völlig mit dunklen Wolken zu und ein feiner Nieselregen
setzte ein. Zu diesem Zeitpunkt ließen die meisten alle Hoffnung
fahren.
Doch dann geschah das Wunder von Ebersteinburg: Eine Minute vor
dem Zweitkontakt riß der Himmel auf und gab den Blick auf eine
hauchdünne Sonnensichel frei. In der Rheinebene wurde es kontinuierlich
dunkler und in den Städten ging die Beleuchtung an. Alle Blicke
richteten sich nach oben, die Menschen verstummten. Die Dramatik
dieses Augenblicks wurde noch gesteigert durch schnell vorbeiziehende
dünne Wolkenfetzen.
Dann wurde es schlagartig dunkel und die Korona wurde sichtbar.
Mit bloßem Auge konnte man Protuberanzen als rote Punkte am Sonnenrand
erkennen. Die helle Venus war zu sehen.
Einige empfanden die Zeitdauer als lange und kurz zugleich, andere
vergaßen ihre penibel ausgearbeiteten Beobachtungs- und Fotografierpläne
völlig und verharrten staunend.
Eine schnelle Dämmerung aus Richtung Baden-Baden kündigte das
Ende an, die erste Lichtperle zeigte sich am Sonnenrand bei zwei
Uhr.
Stimmengewirr und Jubelschreie waren zu hören, manche umarmten
sich. Alle wollten sich austauschen über das Unglaubliche.
Das Interesse an der folgenden zweiten partiellen Phase wich einer
allgemeinen Feierstimmung. Sektflaschen wurden entkorkt.
Viele verließen den Ort des Geschehens noch vor dem Viertkontakt,
der wegen aufzeihender Wolken nicht mehr beobachtet werden konnte.
Diejenigen unter uns, die noch länger (bis 15.30 Uhr ) in Ebersteinburg
verweilten, konnten erleben, wie sich von Westen her pechschwarze
Wolken über die Rheinebene schoben. Danach regnete es in Strömen
und alle jetzt noch Anwesenden empfanden das Glück doppelt: Im
entscheidenden Moment hatte sich der Himmel wie ein Fenster geöffnet.
Christoph
Grupe
(Schloßpark Karlsruhe) [
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In
Karlsruhe, Schloßpark, in einer wundervollen Fügung tat sich pünktlich
kurz vor 12.30 Uhr ein Sichtfenster in den Wolken auf, und die
ganze Totalität der Bedeckung war klar zu sehen, einfach megageil
:-))
So kurz war, daß es nachträglich wie ein irrer Traum erschien.
Die Korona, die Protuberanzen, die Dämmerungsfarben im Norden............
Erst der Jubel von 40.000 Leuten, dann quasi Totenstille! So etwas
wirkt psychisch noch lange nach...
Thomas
Weisbach
(Bad Herrenalb/Rotensol) [
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Dienstag,
16:00 Uhr
Kinder, Frau und natürlich die Ausrüstung ins Auto gepackt und
nach Bad Herrenalb/Rotensol gedüst. Gegen 02:00 Uhr waren wir
da, ein kurzer Blick auf den geplanten Boebachtungsort, traumhaft
gelegene Südterrasse, über mir ein wolkenloser Himmel, Sterne
herunter bis 5.5 mag, Milchstraße herrlich... Eigentlich sollte
man jetzt aufbauen und schauen, aber Sterne kann ich auch andermal
schauen...
Mittwoch
06:00 Uhr, erster Blick aus dem Fenster, alles zu... :-( Frühstück
gegen 07:00 Uhr, dabei Wetterbericht gehört, die Aussichten sind
nicht rosig, aber es soll ein paar Lücken geben, die Cousine meiner
Frau (Hausherrin) ist sich sicher: "Das sah gestern früh
genauso aus, um 10:00 Uhr sind die Wolken weg." Nun gut,
wir werden sehen... Für kurzfristige Suche nach Wolkenlöchern
bin ich ohnehin nicht mobil, der Verkehrsfunk ermuntert nicht
dazu, sich ins Auto zu setzen...
10:30 Uhr, tatsächlich, es reißt auf! Schnell aufbauen! Die Zeit
vergeht wie im Flug, schon bewundern wir den ersten Kontakt und
immer noch ist der Himmel bis auf ein paar kleine Schleier frei...
der Mond "schluckt" gerade die langgestreckte Fleckengruppe,
da zieht es zu... :-(
Die Zeit rast! Im Fernseher sehen wir die ersten Bilder der Totalität
aus England, Frankreich und bei uns keine Wolkenlücke... Es ist
zum Verrücktwerden!
12:32 Uhr, fast schlagartig ist es stockfinster, da ist sie, die
Totalität, die wir sehen wollten... :-( Ich bin am Boden zerstört,
während die anderen mit Sekt anstoßen, suche ich mir eine stille
Ecke, ich muß meine Enttäuschung und den Eindruck der Dunkelheit
verarbeiten...
12:34 Uhr, so plötzlich wie es dunkel wurde, wird es auch wieder
hell, meine Frau kommt und tröstet... Alle sind begeistert. Ja,
es war ein Erlebnis, diese Dunkelheit! Aber ich darf nicht daran
denken, was wir nicht sehen konnten...
Gegen 13:00 reißt der Himmel wieder auf, den vierten Kontakt sehe
ich so gut wie den ersten... Ich bin immer noch fassungslos...
15:00 Uhr zieht es wieder zu und bleibt bedeckt, damit sind auch
die Perseiden für diese Nacht gestorben... :-(
Donnerstag
18:00 Uhr bin ich wieder in Chemnitz und telefoniere mit Andreas
Viertel, unserem Sonnenfachmann. Unfaßbar! Keine 20 km von meinem
Standort entfernt, hat er die Totalität gesehen und auch Fotos
machen können...
20:00 Uhr, ein Freund, der keine Ahnung von Astronomie hat, ruft
mich an und teilt mir mit, daß er auf der Rückreise aus Ungarn
die Totalität sehen konnte. Das ist Salz auf meinen Wunden...
Ein Trost bleibt: ganz sicher werde ich mich auf die Reise machen,
wenn irgendwo auf dieser Welt wieder ein solches Schauspiel ansteht.
Wäre doch gelacht, wenn ich nicht irgendwann mal die Korona mit
eigenen Augen sehen kann. Ich favorisiere den 29.03.2006 in der
Türkei...
Dietmar
Peglow
(nahe Ulm) [
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Ich
hatte mich in der Naehe von Ulm positioniert und just bevor der
Totalitaet riss die Wolkendecke auf! Die Leute fingen an jubeln
und eine Frau ein paar Meter neben mir fing an zu schreien !!
Der absolute Hammer fuer mich war die ploetzlich eintretende Dunkelheit,
die sehr merkwuerdig war. Hinzu kam der duestere, mit grauen Wolken
verhangene Himmel nach dem Gewitter. Ich hatte beim Eintreten
der Dunkelheit das Gefuehl, die Dunkelheit wuerde mit "aufsaugen"
oder irgendwie hinwegheben. Und dann der Anblick der Sonne. WOW!
Mein erster Gedanke: Wo ist die naechste SOFI? Ich bin dann kurz
danach wieder nach Berlin zurueck und hatte im Verkehrschaos (55km
Stau auf der A7) genuegend Zeit, nochmal darueber nachzudenken.
GAENSEHAUT, GAENSEHAUT und nochmals GAENSEHAUT. Wenn es klappt,
bin ich 2001 dabei, wollte ja schon immer mal nach Afrika.
Rudolf
Horn
(Ettlingen) [
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Am
Tag der Sonnenfinsternis war das ganze Team unserer Augenarztpraxis
natürlich unterwegs zur Beohtung. Wir zogen in die Totalitätszone
nach Ettlingen, um die Finsternis in ganzer Länge sehen zu können.
Nach den vielen Anfragen der letzten Wochen von Rundfunkstationen,
der regionalen und überregionalen Presse sowie von Schulen und
Einzelpersonen während und ausserhalb der Dienstzeiten uber die
Gefahren und Schutzmöglichkeiten der Sonnenfinsternisbeobachtung
hatten sich alle MitarbeiterInnen ein paar freie Stunden verdient.
So hatten wir nur für den späten Mittwoch Nachmittag eine Notfallsprechstunde
eingerichtet, um eventuell eingetretene Lichtschäden der Netzthaut
rechtzeitig behandeln zu können. Glücklicherweise stellten sich
alle von Patienten befürchteten Augenverletzungen durch Sonnenfinsternisbeobachtung
als Bindehautentzündungen heraus - niemand hatte glücklicherweise
bis einschliesslich Freitag abend einen Schaden davongetragen.
Auch ein Anruf in der Univ.-Augenklinik Freiburg bei Dr. Lagrèze
zeigte, dass im Freiburger Raum keine gravierenden Schäden an
den Augen der Beobachter entstanden sind. Etwa 20 Patienten stellten
sich in der Klinik vor mit vermeintlichen Lichtschäden, aber glücklicherweise
liess sich nur ein Befund fraglich auf leichtsinnige Sonnenfinsternisbeobachtung
zurückführen.
Es war wohl so, dass sich zum einen der doch zumeist bedeckte
Himmel schützend auswirkte, zum anderen aber auch die Aufklärungsarbeit
in den Medien Früchte trug. Beispielsweise waren in Ettlingen,wo
wir beobachteten, mehrere hundert Menschen versammelt, die ausnahmslos
Schutzbrillen trugen. So kann man davon ausgehen, dass sich ein
Desaster wie 1912, als mehr als 3000 Menschen bei einer ringförmigen
Sonnenfinsternis Augenschäden erlitten, nicht wiederholt hat.
Den ganzen Morgen war der Himmel über Ettlingen stark bewölkt,
von wenigen Lücken abgesehen. Auch der erste Kontakt liess sich
nur durch eine kleine Wolkenlücke beobachten. Danach verdichtete
sich der Himmel zunehmend, und wir hatten schon die Hoffnung auf
klare Sicht aufgegeben. Aber in den letzten fünf Minuten riß der
Himmel auf, und man konnte die langsam verlöschende schmale Sichel
sowie die gesamte Totalität in voller Pracht bewundern - die Corona,
den Solitär und mit dem Fernglas viele Protuberanzen an der Neumondkante.
Ganz dunkel wurde es nicht. Venus und Merkur waren zu sehen, die
anderen Sterne entweder nicht sichtbar oder hinter Wolken verborgen.
Die gut zwei Minuten Totalität waren im Nu vorbei, natürlich viel
zu kurz. Am eindrucksvollsten empfand ich den ersten wiederkehrenden
Lichtstrahl, der nach dem Dunkel hell hinter der Mondscheibe hervorschoß
- von der Sonne kommend, vor vierhunderttausend Kilometern eben
haarscharf am Mond vorbei, und dann genau in unsere Pupillen auf
die dunkeladaptierte Netzhaut. Here comes the sun...Die Heimfahrt
durch die größten Staus der Bundesrepublik (laut Nachrichten bei
SDR3) dauerte fast vier Stunden. In dieser Zeit kann man sonst
bis nach Lyon fahren...
Die Beobachtung, dass der Himmel in letzter Minute aufklarte,
hörte ich in den letzten Tagen von vielen Freunden, die mir von
ihren Beobachtungen berichteten bzw. Berichte schickten. Was ist
die Grundlage für dieses Phänomen?
Bei zunehmender Bedeckung der Sonne kühlen die darunterliegenden
Luftmassen aus und sinken ab. Beim Absinken erwärmen sie sich
um ca. ein Grad pro hundert Meter, weshalb mehr kondensierte Feuchtigkeit
in den gelöstem Zusatand übergehen kann --» Die Wolken lösen
sich auf, der Himmel wird klar. Dieser 'Finsterniswind' macht
sich am Boden gelegentlich mit einigen Böen bemerkbar. Durch den
freien Himmel konnten wir einige Aufnahmen von der Corona machen,
nach der Totalität auch von Sonnensicheln am Boden. Wir waren
überrascht von der Größe dieser Sicheln, die gut 20 cm im Durchmesser
maßen.Die Dunkelheit hingegen war bescheiden - es blieb deutlich
heller als in einer Vollmondnacht, und man konnte die Umgebung
zwar verfinstert, aber noch immer gut und farbig sehen.Die nur
geringe Dunkelheit läßt sich wohl auf zwei Ursachen zurückführen.
Zum einen auf Streulicht durch die starke Bewölkung, zum anderen
auf eine stark ausgebildete, dichte und helle Corona, denn wir
nähern uns dem Sonnenaktivitätsmaximum im elfjährigen Zyklus.
Es war eine ausgesprochene Maximumscorona zu sehen, im Genegsatz
zur schöneren, weil filigranen Minimumscorona. Sie umgab ohne
große Strukturierung hell die gesamte Neumondscheibe. Entsprechend
waren eindrucksvolle, große Protuberanzen im Fernglas zu sehen,
auch Sonnenflecken mit den Brillen bereits ohne Vergrößerung.
Eine normale Corona leuchtet etwa viermal so hell wie der Vollmond,
und ich schätzte die Helligkeit während unserer Totalität auf
gut 5-6x Vollmondhelligkeit ein - z. B. war immer Farbensehen
möglich, wir lagen stets oberhalb des skotopischen und mesopischen
Helligkeitsbereiches. Bei einer klaren Vollmondnacht kann man
die Farben eben unterscheiden, wenn sie nicht zu dunkel sind,
Farbnuancen dagenen nicht.
Mathias
Bachmann
(Achern) [
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Hier
in Achern wars unglaublich spannend - auch bei schlechtem Wetter
war die SoFi ein eindrucksvolles Erlebnis.
Wir sind morgens um 9:00 aufgebrochen auf einen huebschen Huegel,
den wir uns am Vortag ausgesucht hatten. Natuerlich war alles
ziemlich verhangen, aber erst mal sah es zumindest noch hoffnungsvoll
aus - im Lauf der Zeit wurde die Wolkendecke aber immer mehr einheitlich
grau, unterbrochen von gelegentlich ziemlich kraeftigen Wolkenbruechen.
Unser Beobachtungshügel wurde dann aber mit der Zeit zu feucht
und ungemütlich, so daß wir gerne der Einladung einer freundlichen
Frau folgten, ihren überdachten Balkon mit unglaublich guter Sicht
über die gesamte Rheinebene zu nutzen.
Beim Umzug ging uns dann wohl ein bißchen die Orientierung verloren,
wo denn nun die Sonne auftauchen könnte. Erstmal hat es sich gut
eingeregnet, bis dann kurz vor Totalität ein paar Wolkenlücken
unsere Motivation neu entfachten. Und auf einmal rief Team-member
Patricia laut: "Do isch se!!!" und zeigte auf einen
hellen Fleck ca. 80 Grad abseits unserer Blickrichtung. Wir setzten
schnell unsere Brillen auf, um dann endlich auch die ganz schmale
Sonnensichel zu bewundern. Jedoch war diese schnell wieder unseren
Blicken entfleucht.
Dann geschah das Dramatische (Grandiose, Unbeschreibliche,...)
: DER KERNSCHATTEN!!! Nie wahrgenommene Beleuchtung - Ueberfallartig
einsetzende Dunkelheit - unser Verstummen - Betroffenheit - Wunder
der Schöpfung -zwei Minuten lang
Vom Rhein her rollt eine Morgendaemmerung auf uns zu. Wir sehen
sie viel deutlicher herannahen als zuvor den Schatten. Das Licht
wird wieder vertrauter, und wir werden wieder redseliger.
Die Sonne, die Welt und der Alltag haben uns wieder.
SoFi - Team Achern (Edda, Gerhard, Daniel, Benedikt, Patricia,
Paul, Franziska, Helen, Mathias u. Tobias (juengstes Mitglied,
4 Monate)