Kai
Winning
(Feuerkogel) [
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Zwei
Tage vorher fuhr ich, mit dem Teleskop, der Digicam und dem von
ProSoft geborgten Laptop im Gepäck, nach Österreich auf den Feuerkogel.
Das Wetter schien günstig. So konnte ich alles testen.
Danach trübte es ein und ich fuhr wieder heim. Am Vortage regnete
es des öfteren. So schien das ganze Unterfangen in Frage gestellt.
Wir änderten aber unser Programm nicht und fuhren am Tage der
SOFI99 wie geplant auf den Feuerkogel.
Der Himmel hing voller Wolken, aber hier und da zeigte sich eine
kleine Lücke. Pessimismus und Hoffnung lösten sich ständig ab,
ein Wechselbad der Gefühle. Die ersten beiden Zeitpunkte der vorgesehenen
Übertragung verstrichen ohne Aufnahme. Ein erstes Wolkenloch reichte
nicht dazu aus, das Teleskop auf die schon zum kleinen Teil bedeckte
Sonne auszurichten.
Plötzlich riß die Wolkendecke auf und ich konnte endlich das erste
Foto schießen. Nichts wie rein ins Internet damit, um die Versprechungen
nicht zu entäuschen.
Dann hatten wir immer öfter Wolkenlücken. Der Zeitplan für die
Übertragung war sowieso dahin, also schickte ich die Bilder so,
wie die Wolkenlöcher es zuließen.
Nun waren wieder dickere Wolken. Aber manchmal hatten wir Sicht
zur Sonne.
Der entscheidende Moment rückte immer näher...
Rechtzeitig (2 min.) vor dem großen Moment tat sich in den Wolken
ein "Fenster" auf. Ob es für den Zeitraum der Totalität
reichte?
Alle waren gespannt, was sich nun ereignet und ob das Loch in
den Wolken groß genug ist, um alles zu sehen.
Nun war es soweit. Der Mond verdeckte fast ganz die Sonne. Eine
schmale Sichel war noch vorhanden. Es sah aus wie eine Perlenkette.
Dann war nur noch ein heller Punkt da und man dachte da am Himmel
sei ein überdimensionaler Diamantring.
Ein Raunen ging durch die Menschenmenge als endlich die schwarze
Sonne mit ihrer Korona auf uns herabblickte. Alle waren ergriffen
und klatschten in die Hände oder juchzten. Aus der Lautsprecheranlage
erklang festliche Walzermusik von Johann Strauss. Ein unbeschreiblicher
Moment. Franzosen, Holländer, Tschechen, Italiener, Österreicher,
Deutsche und sogar Leute aus Übersee waren in diesem Augenblick
vereint und feierten das Ereignis.
Manche standen nur da, andere blitzten aufgeregt mit ihren Fotoapparaten
in die Luft und ich hätte beinahe vergessen, die entscheidende
Aufnahme zu machen. Es wurde merklich kühler und ein leichter
Wirbelwind zog auf.
Es war unbeschreiblich schön und bewegend und so schnell vorbei,
wie es begann. Eine Aufnahme von der Sonnensichel nach der Totalitätsphase
gelang mir noch und danach waren nur noch Wolken zu sehen. Schade,
aber das Wichtigste hatten wir ja erlebt.
Als alles vorüber war, fuhren wir wieder in unser Urlaubsdomizil
in Hauzenberg bei Passau, die Steinhofmühle. Hier ließen wir am
Abend noch einmal das erlebte Schauspiel Revue passieren und erzählten
den Dortgebliebenen an einem gemütlichen Schwedenfeuer alles haargenau.
Am Tage danach genossen wir in Passau ein herrliches Konzert im
St.-Stephans-Dom auf der größten Kirchenorgel der Welt und unternahmen
eine "Sissi"-Rundfahrt auf der Donau. Ein herrlicher
Ausklang des Naturspektakels.
Allzuviel sollte man sich wirklich nicht für eine Sonnenfinsternis
vornehmen, weil man vom Schauspiel der Natur so schnell erfaßt
wird, daß nur die Hälfte klappt. Den herannahenden Mondschatten
nahmen wir z.B. gar nicht wahr. Meine Schwester Andrea und meine
Frau Anett hatten das Glück, wenigstens den davoneilenden Mondschatten
in der Bergwelt zu bemerken.
Das Ganze kann man illustriert mit fantastischen Aufnahmen auf
meiner HP
http://www.kai-winning.purespace.de
unter "pictures" bestaunen.
Wenn Euch das ganze gefallen hat, würde ich mich auf eine positive
Resonanz auf meiner E-mail Adresse
Kai.Winning@t-online.de
freuen.
Peter
Nihaves
(Salzburg) [
»eMail]
Am
Tag der Sonnenfinsternis waren wir in Salzburg. Der Morgen war
grau und bewölkt. Wir wohnten unweit der Altstadt Salzburgs auf
dem Mönchsberg. Das Haus hat eine Dachterrasse, auf der wir das
Schauspiel erleben wollten. Hier hatten wir einen Rundumblick
auf die Stadt Salzburg und in die Bergwelt des Salzburgerlandes.
Das Wetter wurde immer besser. Der Himmel über uns klarte auf
und plötzlich lag die Sonne völlig frei im Blau über der Stadt.
Rundherum sahen wir geschlossene Wolkenfelder. Auf den Wiesen
unterhalb des Hauses richteten sich viele Menschen auf das Ereignis
ein. Der Mond bewegte sich über uns langsam auf die Sonne zu.
Es wurde seltsam kühl und dämmrig. Auf einer Wiese sahen wir Kühe,
die sich wiederkäuend niederlegten. Was dann kam, kann man so
schnell nicht beschreiben wie es geschah: Von Westen her kam fast
drohend, aus einer schwarzen Wolkenwand, ein Riesen-Schatten auf
uns zu und wir wurden urplötzlich in eine geheimnisvolle Dunkelheit
gehüllt. Das war sie: die Totalität. Nun konnten wir mit bloßem
Auge in die schwarze Sonne schauen. Die Sonnenkorona funkelte
nun wie ein diamantener Ring um die schwarze Mondscheibe. Die
Himmelskörper hatten sich "vereint". Rotgelbes, glühendes Licht
schimmerte zwischen den Bergen hervor. Es herrschte totale Windstille
und eine Ruhe lag über der weitausgebreiteten Stadt in der alle
Ampeln auf Rot geschaltet waren. Die Menschen um uns zeigten Freude
und Verwunderung. Vereinzelt sahen wir im Umland kleine Feuerwerke,
die aber die Dunkelheit nicht zu erhellen vermochten. Fast zwei
Minuten waren wir staunende, hilflose Geschöpfe gutmütiger Naturgewalten.
Dann wurde es ganz plötzlich hell. Wir sahen den "Brilliant" am
rechten Rand des Mondes und die beiden Himmelskörper lösten sich
aus Ihrer Begegnug. Eine Stunde nach diesem Ereignis zog der Himmel
seinen Wolkenvorhang zu und Wind und Regen wollten uns zeigen,
dass sie auf Dauer mehr Einfluss auf unser Leben nehmen als das
eben Erlebte.