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MAPS (2026)

Komet C/2026 A1
Sonnennaher Komet der Kreutz-Gruppe zu Ostern 2026
von Christoph Rollwagen
Ein zu Beginn des Jahres 2026 entdeckter Komet wird sich zu Ostern der Sonnenoberfläche bis auf einen Abstand von nur 160.000 Kilometern annähern. Sein Perihel befindet sich damit gerade einmal 0,23 Sonnenradien über der Photosphäre - innerhalb des Bereichs der größten jemals beobachteten Protuberanzen.

Das Objekt mit der Bezeichnung C/2026 A1 (MAPS) bewegt sich entlang einer um 144,5 Grad zur Ekliptik geneigten extrem exzentrischen Umlaufbahn. Der Komet nähert sich von der Erde aus betrachtet dem Sonnenglobus zunächst aus dem Südosten kommend an, schwingt im Perihel rasend schnell um den Sonnenglobus herum, um sich daraufhin wieder in südöstliche Richtung zu entfernen. Die Umlaufzeit des Kometen um die Sonne beträgt etwa 1175 Jahre.

Mitglied der Kreutz-Gruppe

Der Komet MAPS ist ein Mitglied der sonnenstreifenden Kreutz-Kometenfamilie - eine größere Anzahl meist unscheinbarer Objekte, die aufgrund ihrer ähnlichen Umlaufbahnen alle ein und dem selben Mutterkometen zuzuordnen sind, der vor einigen tausend Jahren zerbrochen sein dürfte. Kometen der Kreutz-Gruppe nähern sich der Sonne während eines Periheldurchlaufs auf eine sehr geringe Entfernung an und lösen sich dabei meist vollständig auf.

Mögliche Freisichtigkeit Anfang April

Das Objekt zeigte in den vergangenen Tagen eine beachtliche Helligkeitsentwicklung. Sein Kerndurchmesser wird auf etwa 2,4 Kilometer geschätzt. Damit könnte er die nahe Begegnung mit der Sonne überstehen oder durch gewaltige Gezeitenkräfte in zahlreiche Bruchstücke zerrissen werden. Im Perihel könnte er etwa -2 bis -4 mag hell werden und vielleicht auch kurzzeitig in der Abenddämmerung freisichtig zu erkennen sein.

Berühmte Vorgänger

C/2026 A1 (MAPS) besitzt charakteristische Ähnlichkeiten mit dem Großen Kometen von 1843 und C/1963 R1 (Pereya), die beide um die Zeit ihrer Perihelpassage mit dem bloßen Auge beobachtet wurden. Der Sonnenstreifer von 1843 entwickelte kuzzeitig eine Helligkeit von -6 bis -8 mag und konnte sogar am Tageshimmel knapp neben der Sonne erkannt werden. Pereya erreichte eine bescheidenere maximale Helligkeit von etwa 2 mag. Bei den beiden handelte es sich um Fragmente des Großen Kometen von 1106, der wiederum ein Abkömmling von Aristoteles' Sonnenstreifer aus dem Jahre 371 v. Chr. ist.

Rasante Kurve durch die innere Sonnenkorona

Ob der Schweifstern seinen feurigen Ritt durch die innere Korona der Sonne überstehen wird, oder sich bereits während seiner Annäherung auflöst, wird auf den Aufnahmen der weltraumgebundenen Sonnenobservatorien SOHO und GOES-19 zu verfolgen sein.

astrocorner.de
Scheinbare Positionen des Kometen C/2026 A1 (MAPS) innerhalb der Sichtfelder der Koronographen LASCO C2, LASCO C3 und CCOR-1 vom 2. bis 6. April 2026, jeweils um 00 Uhr und 12 Uhr UT (bzw. 02 Uhr und 14 Uhr MESZ)

ESA, NASA
Raumsonde SOHO
Der Komet wird am 2. April zur Mittagszeit auf den Aufnahmen des Koronographen LASCO  C3 von SOHO und tags darauf im Sichtfeld von CCOR-1 des Satelliten GOES-19 auftauchen. Am 4. April wird dann auch ein detaillierter Blick auf das Geschehen mit den Bildern der SOHO-Kamera LASCO C2 möglich sein, wenn der Komet - oder das, was bis dahin noch von ihm übrig sein sollte - eine rasante Kurve um die Sonne herum vollführen wird. Die Überreste des verdampfenden Kometenkerns könnten noch bis zur Mittagszeit des 5. April in CCOR-1 und bis zum 6. April in LASCO C3 sichtbar bleiben.
Entdeckung
Der Komet C/2026 A1 (MAPS) wurde am 13. Januar 2026 von den vier französischen Astronomen Alain Maury, Georges Attard, Daniel Parrot und Florian Signoret fotografisch an einem chilenischen Observatorium entdeckt. Diese betreiben das MAPS-Projekt, mit dem nach erdnahen Asteroiden gesucht wird. Zu dieser Zeit zeigte er eine Helligkeit von nur etwa 18 mag und befand sich im Sternbild Taube. Seine Entfernung von der Sonne betrug mehr als 2 Astronomische Einheiten (299 Millionen Kilometer) - dem bis dahin größten Abstand eines Kreutz-Kometen zum Zeitpunkt seiner Entdeckung.

Seither bewegte sich der Komet durch den Walfisch auf die Sonne zu. Beobachter der Südhalbkugel konnten in den vergangenen Tagen eine beachtliche Entwicklung seiner scheinbaren Helligkeit verfolgen.
Beobachtung
MAPS dürfte bei seinem nahen Vorbeizug an der Sonne ein recht schwierig zu beobachtendes Objekt werden. Obwohl der Komet eine maximale Helligkeit von -4 mag oder mehr erreichen könnte, befindet er sich zur Zeit seines Periheldurchgangs nur wenige Bogenminuten vom hellen Zentralgestirn entfernt. Der Komet wird zudem wahrscheinlich nur für den kurzen Zeitraum eines Tages vor und nach seiner Perihelpassage besonders hell erstrahlen und danach extrem schnell verblassen. Wenn er sich wieder weit genug von der Sonne entfernt hat, wird seine scheinbare Helligkeit bereits stark zurück gegangen sein.

Dennoch könnte der Komet einen langen und auffälligen Schweif entwickeln, der für Beobachter der nördlichen Hemisphäre ab dem 4. April kurz nach Sonnenuntergang in der Abenddämmerung sichbar werden könnte. Allerdings bietet sich nur ein sehr kurzer Beobachtungszeitraum, da sich der Komet dann sehr nahe der Sonne befindet und kurz nach ihr ebenfalls untergeht.

Bessere Beobachtungsbedingungen ergeben sich vor allem für Beobachter der südlichen Hemisphäre. Von dort aus wird der Schweifstern mit täglich fortschreitendem Abstand zur Sonne auch schnell an Höhe über der Horizontlinie gewinnen. Der Winkelabstand von MAPS zur Sonne vergrößert sich von 2 Grad am Abend des 4. April auf 7 Grad am Abend des 5. April und auf 21 Grad am Abend des 10. April.

Wenn sich der Kern des Kometen MAPS bereits vor seiner Perihelpassage aufgelöst haben sollte, dürfte kaum etwas zu beobachten sein. Sollte das Objekt seine feurige Reise jedoch überstehen, könnte die scheinbare Helligkeit beachtliche Werte entwickeln. Trotzdem dürfte der Komet schwer zu erkennen sein - vor allem von der nördlichen Hemisphäre aus. Auf den Aufnahmen der Raumsonden SOHO und GOES-19 wird MAPS aber höchstwahrscheinlich eine spektakuläre Entwicklung zeigen.

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Positionen des Kometen C/2026 A1 (MAPS) Anfang April 2026 am Abendhimmel bei Sonnenuntergang (gegen 20 Uhr MESZ) wenige Grad über dem West-Horizont.
Sonnenstreifende Kreutz-Kometen
ESA, NASA
Komet C 2004 F4 (Bradfield), der der Sonne im April 2004 sehr nahe kam und dabei eine spektakuläre Erscheinung bot
Kometen der Kreutz-Gruppe besitzen für gewöhnlich Kerne mit nur einigen Metern Durchmesser. Da es zahlreiche dieser Objekte gibt, geht man davon aus, dass der ursprüngliche Komet einen gewaltigen Kern mit einem Durchmesser von ungefähr 100 Kilometern besessen haben muss. Es gibt einige besonders große Fragmente, die in der Vergangenheit beobachtet wurden.

Der helle Komet des Jahres 1106 war beispielsweise ein ganz außergewöhnliches Mitglied der Kreutz-Gruppe. Er brach höchstwahrscheinlich bei seiner Sonnenpassage auseinander und kehrte in Form von 2 Fragmenten in den Jahren 1843 und 1882 wieder.

Auch der Kreutz-Komet C/1965 S1 (Ikeya-Seki) - der mit einer maximalen Magnitude von -7 mag hellste Komet des vergangenen Jahrhunderts - konnte im Jahr 1965 als spektakuläre Erscheinung beobachtet werden. Zuletzt bot das Mitglied der Kreutz-Gruppe C/2011 W3 (Lovejoy) zu Weihnachten 2011 einen berauschenden Anblick.

Annäherung zweier Kometen-
bruchstücke an die Sonne
Mit dem Sonnenobservatorium SOHO wurden in den vergangenen Jahrzehnten über 4.500 Kreutz-Kometen entdeckt. Neben dieser Kometen-Familie konnten aber auch 3 weitere Gruppen entdeckt werden - die Meyer-Gruppe mit mindestens 55 Mitgliedern, die Marsden-Gruppe mit mindestens 21 Zugehörigen und die Kracht-Gruppe, der 24 Kometen angehören. Diese Gruppen sind nach Astronomen benannt worden, die die Zusammengehörigkeit der einzelnen Mitglieder erstmals nachweisen konnten.
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