Die
Scheiner'sche Methode
Längerbelichtete
fotografische Aufnahmen verlangen eine präzise parallaktische
Aufstellung. Die Scheiner'sche Methode ist
ein hervorragendes Verfahren, um ein Teleskop, das auf einer äquatorialen Montierung befestigt ist, auf das Äquatorsystem
zu eichen.
Dafür ist ein Okular mit Strichkreuzeinsatz nötig,
bei dem ein Strich parallel zur Stundenbewegung ausgerichtet wird.
Diese Einstellung ist durch eine "Pendelbewegung" des Fernrohrs
um die Stundenachse bei gleichzeitiger Okulardrehung erreichbar,
bis ein Stern oder ein punktförmiges irdisches Ziel auf dem Strich
"läuft".
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Justierung
der Himmelsrichtung
s - Bahn des Sterns, parallel zum Himmelsäquator
i - Instrumentenbewegung, parallel zum Instrumentenäquator
S - wahre Südrichtung
S' - falsche Südrichtung des Instruments |
Azimut-Justierung
Für
die Justierung im Azimut wird ein äquatornaher Stern einige Minuten
vor seiner Kulmination auf den Mittelpunkt des Strichkreuzokulars
eingestellt. Zur besseren Sichtbarkeit von Stern und Kreuz leuchtet
ein zweiter Beobachter mit einer Taschenlampe seitlich in die
Taukappe, sofern nicht eine Hellfeldbeleuchtung zur Verfügung
steht. Auch vor einem etwas unscharf eingestellten Stern ist das
Strichkreuz gut sichtbar.
Weicht der Stern bei nachbewegtem und
bildumgekehrtem Fernrohr vom Kreuzmittelpunkt nach unten ab, dann
muss die Stundenachse durch azimutale Drehung der Montierung von
Ost nach Süd korrigiert werden. Im umgekehrten Fall beobachtet
man eine Abweichung des Sterns nach oben und korrigiert von West
nach Süd. Durch Wiederholung an weiteren äquatornahen, vor dem
Meridiandurchgang befindlichen Sternen nähert man sich in immer
kleineren Schritten der richtigen Einstellung an.
Polhöhen-Justierung
Die
Justierung der Polhöhe erfolgt auf ähnliche Weise. Dafür wird
ein in östlicher Richtung in etwa 25° bis 30° Höhe befindlicher
Stern auf die Fadenkreuzmitte eingestellt. Entspricht die erforderliche
Höhe noch nicht dem tatsächlichen Wert, dann weicht der Stern
im umgekehrten Fernrohr nach oben ab, und der Anstellwinkel der
Stundenachse muß vergrößert werden. Im entgegengesetzten Fall
ist er zu verringern.
Da
die zu erwartenden Korrekturen gering sein dürften, sollten sie
nicht direkt am Polkopf, sondern an der Stativaufstellung erfolgen.
Wurde das Stativ zuvor mit zwei Füßen in Ost-West-Richtung aufgestellt,
dann kann durch Unterlegen fester Materialien unter den Süd- oder
den Nordfuß bzw. Unter Ost- und Westfuß korrigiert werden. Der
genauen Einstellung nähert man sich auch hier durch mehrere Beobachtungen
an weiteren Sternen mit den oben angegebenen Horizontpositionen. |