Am 5./6. Juni 2012 erreichte die Venus ihre untere Konjunktion zur Sonne und zog dabei von der Erde aus betrachtet vor der hellen Sonnenscheibe vorüber. An diesem Tag konnte von einigen Kontinenten somit ein seltener Venus-Transit beobachtet werden.
In Mitteleuropa konnte nur der letzte Teil des Durchgangs nach Sonnenaufgang verfolgt werden. Vollständig war das Ereignis in weiten Teilen Ost- und Nordasiens, Grönlands, sowie von der nördlichen Polarregion, Nordwest-Kanada & Alaska, Ost- und Zentral-Australien und von weiten Teilen des nördlichen und westlichen Pazifiks aus zu sehen.
Beobachtungsbericht
Christoph Rollwagen (Karlshagen auf Usedom)
Mit einigen Amateur-Astronomen fuhr ich am Vorabend auf die Insel Usedom, da die Wetterprognosen für Regionen entlang der Ostsee besonders günstig ausfielen. Für die übrigen Gebiete Deutschlands wurde zumindest leichte Bewölkung vorhergesagt. Da es sich bei einem Venustransit um ein Ereignis handelt, dass nur zwei Mal pro Jahrhundert stattfindet, nahmen wir die etwa 200km weite Reise selbstverständlich in Kauf.
Vor Sonnenuntergang erkundeten wir einen Strand bei Karlshagen und wählten ihn als Beobachtungsort für den darauffolgenden Morgen aus. Die Nacht verbrachten wir in unseren Autos, die wir hinter der Düne geparkt hatten. Etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang bauten wir unsere Ausrüstung auf. Zur fotografischen Erfassung verwendete ich ein 1000mm MC MTO-11CA Maksutov f/10 Spiegel-Teleobjektiv an einer Canon EOS 50D DSLR auf einer Astro5-Montierung mit automatischer Nachführung. Für die visuelle Beobachtung hatte ich zudem einen 432mm William Optics Megrez 72FD Apochromat f/6 montiert.
Knapp über dem Südwesthorizont erhellte der noch nicht untergegangene fast volle Mond die milde Sommernacht. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine beiden Teleskope zu fokussieren, damit die aufgehende Sonne von Anfang an scharf abgebildet wird. In der Morgendämmerung kündigte sich ein schöner neuer Sommertag über der Horizontlinie der Ostsee an. Nur ein paar Schleierwolken verzierten den ansonsten vollständig klaren Himmel. Die Luft war windstill, das Wasser sehr ruhig. Ein paar sanfte Wellen rollten über die Ostsee heran. Bei Sonnenaufgang um kurz nach halb 5 war die Sicht am Horizont beinahe uneingeschränkt.
Die Belichtungen meiner Fotos fürte ich automatisch in Intervallen über die Canon-Software EOS Utility durch. Zudem konnte ich bei Bedarf spontan über eine Kabel-Fernbedienung auslösen. Die Belichtungszeiten passte ich permanent an, da die Helligkeit der Sonnenscheibe beim Aufgang fortscheitend zunimmt. Außerdem fotografierte ich zunächst noch ohne, später mit Sonnenfilter.
Alle Beobachter am Strand blickten durch ihre Kameras oder Teleskope und warteten auf den Moment, wenn die Silhouette der Venus vor der Sonne sichbar werden würde. Dabei gelang es mir im richtigen Moment, einen deutlichen 'Green Flash' zu fotografieren, den wir alle zeitgleich beobachteten. Einen Moment später löste sich dann ein runder schwarzer Fleck von der Wolkenkante ab. Die Luftunruhe verzerrte die runde Silhouette zunächst noch recht stark, doch es war schnell klar, dass dieser ungewöhnlich erscheinende schwarze Punkt der Planet Venus ist, der vor der Sonne hinwegzieht. Diesen Anblick konnte ich zum letzten Mal 8 Jahre zuvor genießen. Ich wusste, dass nach diesem Tag sich in meinem Leben kein weiteres Mal eine solche Gelegenheit bieten würde, denn der nächste Venustransit wird erst im Jahr 2117 stattfinden.
Die Sonne kletterte nun unentwegt durch die Dunstschichten über den Horizont und um uns herum begann ein sommerlicher Tag. Ein paar Strandspaziergänger näherten sich, um herauszufinden, was wir hier am frühen Morgen tun und nutzten ihre Chance, einen Blick durch unsere Teleskope zu werfen.
Bis um halb 8 hatte sich die Venus an den Rand der Sonnenscheibe bewegt und überquerte diesen im Laufe von etwa einer halben Stunde. Leider gelang es in diesem Moment niemandem aus unserer Gruppe, die Atmosphäre des Planeten zu erahnen. Möglicherweise wurde die Beobachtung dieses Effekts durch dünne Schleierwolken verhindert, die über der Sonne lagen. Vielleicht war an diesem Tag aber auch die Luftunruhe zu stark. Auch einen Tropfeneffekt konnte ich beim inneren Austrittskontakt dieses Transits nicht erkennen. Nachdem die Venussilhouette die Sonnenscheibe verlassen hatte, war der Transit beendet.
Christoph Rollwagen, YouTube
Beobachtung des Venustransits vom 6. Juni 2012 auf der Insel Usedom
Doppeltes Jahrhundert-Ereignis
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Ansicht
des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe am 6. Juni 2012 (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Venusdurchgänge
vor der Sonne sind wesentlich seltener zu beobachten als Sonnen- oder Mondfinsternisse.
Selbst die unauffälligeren Transite des kleinen und flinken
Planeten Merkur erscheinen viel häufiger.
Venus-Transite
treten fast immer gepaart im Abstand von 8 Jahren ungefähr alle 120
Jahre auf. Der erste Venus-Transit im 21. Jahrhundert
fand am 8. Juni 2004 statt, der zweite im Jahr 2012.
Nach dem Ende des aktuellen Jahrhunderts wird ein solches Himmelsereignis
erst wieder am 11. Dezember 2117
zu sehen sein. Der nächste Venus-Transit, der auch wieder
in voller Länge von Mitteleuropa aus zu beobachten ist,
ereignet sich erst wieder am 11. Juni
2247.
Voraussetzungen für einen Venus-Transit
SOHO
Venus kurz vor ihrer unteren Konjunktion im Januar 2006 - der Planet wandert nördlich an der Sonne vorbei
Venus-Transite können auftreten, wenn der innere Planet seine
untere Konjunktionsstellung einnimmt. Doch nicht bei jedem solchen
Ereignis ist auch immer ein Venus-Transit zu beobachten, da der
Planet von der Erde aus beobachtet meist einige Grad nördlich oder südlich
der Sonnenscheibe vorbei zieht. Die Umlaufbahn des Planeten Venus
ist schließlich um wenige Grad zur Ekliptik (Umlaufbahn
der Erde um die Sonne) geneigt.
Nur wenn der innere Planet auf seiner
Bahn um die Sonne zur Zeit der unteren Konjunktion einen aufsteigenden
oder absteigenden Knoten passiert, ist eine solche Mini-Finsternis
für Beobachter auf der Erde zu erkennen. Ein Bahnknoten ist
der Schnittpunkt der scheinbaren Venusbahn am Himmel mit der Ekliptik.
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Neigung
der Umlaufebene der Venus gegen die Ekliptik - Transitereignisse
können nur stattfinden, wenn sich Venus und Erde nahe
der Knotenlinie befinden
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In
den Jahren 2004 und 2012 ist jeweils ein Venus-Transit zu
beobachten, 1996 wurde das Ereignis knapp verfehlt, Venus
lief südlich an der Sonnenscheibe vorbei
Wenn die Venus also einen Knoten erreicht, befindet sie sich exakt
in Höhe der Ekliptik, durchquert also gleichzeitig auch die
Sonnenscheibe. Die Sonne, die Venus und die Erde reihen sich dann auf
einer rund 150 Millionen Kilometer langen imaginären Linie auf.
Verlauf
des Venus-Transits von 2012
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Kontakte
des Venustransits vom 6. Juni 2012: Der Pfad der Venus
führte über die nördliche Hemisphäre
der Sonne. Die Angaben der Zeitskala beziehen sich auf
die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Die Positionen
der Venus sind aus geozentrischer Perspektive angegeben
und weichen für verschiedene Beobachtungsorte
leicht ab.
Am
6. Juni 2012 erreicht die Venus um etwa 3 Uhr MESZ ihre untere Konjunktion
zur Sonne. Nur rund einen Tag später passiert der innere Planet seinen
absteigenden Knoten. Der zeitlich geringe Abstand der beiden Ereignisse
reicht aus, um einen Transit entstehen zu lassen.
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1.
und 2. Kontakt des Venus-Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Geozentrisch
betrachtet berührte das Venusscheibchen am 6. Juni 2012 den Rand der Sonnenscheibe
erstmals um 00:09:29 Uhr MESZ (1. Kontakt) - damit begann der Transit. Ohne einen speziellen H-Alpha-Sonnenfilter war dieses Ereignis jedoch noch nicht zu beobachten, da die Venus erst in Erscheinung trat, als sie sich bereits teilweise über der hellen Sonnenscheibe befand.
Vorerst war nur eine unscheinbare Beule am Sonnenrand zu erkennen. Innerhalb von knapp 18 Minuten überquerte der gesamte Venusglobus den sichtbaren Sonnenrand - dieser Zeitraum wird auch als Eintritt bezeichnet. Um 00:27:26 Uhr tangierte das Venusscheibchen den Rand der hellen Sonnenscheibe von innen (2. Kontakt).
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Eintritt
des dunklen Venus-Scheibchens in die helle Sonnenscheibe
- zunächst war lediglich eine winzige Beule zu erkennen,
die sich im Laufe weniger Minuten scheinbar zu einer größeren
Kerbe erweitert hatte. Venus strebt dem 2. Kontakt entgegen (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Von diesem Moment an entfernte sich die Silhouette zunehmend vom Sonnenrand. Die langsame Passage der dunklen kreisförmigen Planetenkontur über die Sonnenscheibe dauerte mehr als 6 Stunden an. Die Venus zeigte an diesem Tag einen scheinbaren Durchmesser von 57,79 Bogensekunden, dies entspricht etwa 1/33 des Sonnenscheiben-Durchmessers (1891,38") bzw. 0,1% der Sonnenscheiben-Fläche.
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Mitte
des Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Um 03:29:28 Uhr trat das Maximum des Venus-Transits ein - der Planet hatte seinen geringsten Abstand von der Sonnenscheiben-Mitte erreicht. Während des Transits vom 6. Juni 2012 betrug dieser Abstand 554,4 Bogensekunden. In der darauffolgenden Zeit nahm der Abstand zum Sonnenrand wieder nach und nach ab.
Für Beobachter in Deutschland ging die von der Venus zum Teil bedeckte Sonne erst um 05:20 Uhr auf. Es verblieb noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Ende des Transits.
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3.
und 4. Kontakt des Venus-Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Der 3. Kontakt dieser Mini-Finsternis trat um 06:31:31 Uhr ein - die Venus berührte nun erneut den Rand der Sonnenscheibe von innen. Von diesem Moment an dauerte es noch einmal knapp 18 Minuten, bis der gesamte Globus den hellen Sonnenhintergrund verlassen hatte. Um 06:49:27 Uhr war die Venus-Silhouette vollständig verschwunden und der Transit ende mit dem 4. Kontakt. Der Zeitraum zwischen dem 3. und 4.
Kontakt wird auch als Austritt bezeichnet.
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Austritt
der Venus vor der Sonnenscheibe - nochmals war die Überquerung
des Sonnenrandes zu beobachten (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Sichtbarkeit
Der Transit war von der gesamten Tageslichthemisphäre der Erde zu beobachten. Da das Ereignis mehr als 6 Stunden andauerte, legte die Erde während dieser Zeit etwa 1/4 der täglichen Rotation zurück. Somit konnte von einigen geographischen Regionen aus das gesamte Ereignis nachvollzogen werden, von anderen Regionen nur der Anfang oder das Ende des seltenen Spektakels. Letztlich war dieser Venus-Transit von ungefähr einem Viertel der Erdoberfläche aus nicht zu erleben, da sich die Sonne zur Zeit des Ereignisses noch unter dem Horizont befand.
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Globale Sichtbarkeitsbedingungen des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - in Mitteleuropa konnte das Ereignis bei Sonnenaufgang verfolgt werden
Der
gesamte Verlauf dieses Venus-Transits war weiträumig von weiten Teilen Ost- und Nordasiens, Grönlands, sowie von der nördlichen Polarregion, Nordwest-Kanada & Alaska, Ost- und Zentral-Australien und von weiten Teilen des nördlichen und westlichen Pazifiks aus zu beobachten.
In Nord- und Mittelamerika sowie dem Nordwesten Südamerikas war zwar der Anfang dieses Ereignisses
zu beobachten, doch die Sonne ging noch vor dem Austritt der Venus
vor der Sonnenscheibe unter.
Dementsprechend konnten Beobachter
in Europa, dem Orient, Ost-Afrika, in West-Australien und über dem Indischen Ozean nur das Ende des Transits
miterleben, da das Ereignis für diese Regionen bereits vor
Sonnenaufgang begonnen hatte.
Ereignis
Geozentrisch
50°
Nord, 10° Ost
1.
Kontakt
00h09m29s
00h04m04s
2.
Kontakt
00h27m26s
00h21m53s
Mitte
(Maximum)
03h29m28s
03h30m11s
Sonnenaufgang
/
05h20m
3.
Kontakt
06h31m31s
06h37m28s
4.
Kontakt
06h49m27s
06h55m06s
Phasen
des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - Die Kontaktzeiten sind
sowohl geozentrisch als auch für den Ort bei den Koordinaten
50° nördlicher Breite und 10° östlicher
Länge angegeben. Die Beobachtungszeiten sind in der
für diese Zeit in Deutschland gültiger Mitteleuropäischer
Sommerzeit (MESZ) angegeben.
Die Kontaktzeiten in der linken Spalte (geozentrisch) beziehen sich auf den Erdmittelpunkt. Die entsprechenden Daten für andere Orte auf der Erdoberfläche weichen hiervon um bis zu plus oder minus sieben Minuten ab. Gleichbedeutend verschiebt sich der Ort des Venusscheibchens vor der Sonne um bis zu 30 Bogensekunden, je nach dem an welcher geographischen Stelle der Erdoberfläche sich der Beobachter befand. Dieser Effekt entsteht durch parallaktische Verschiebungen des Planeten Venus.
Ort
Sonnenaufgang (MESZ)
Berlin
04:46 h
Hamburg
04:53 h
Hannover
05:01 h
Dresden
04:52 h
Köln
05:22 h
Frankfurt/Main
05:17 h
Stuttgart
05:22 h
München
05:15 h
Salzburg (A)
05:10 h
Graz (A)
05:04 h
Wien (A)
04:55 h
Zürich (CH)
05:30 h
Bern (CH)
05:37 h
Genf (CH)
05:45 h
Wetterbedingungen
Mittel- und Nordeuropa
Anfang Juni besteht in Mitteleuropa eine mittlere statistische Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit von mehr als 70%. Dies waren also sehr ungünstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beobachtung des seltenen Himmelsspektakels.
Im Norden Europas, wo aufgrund der saisonalen Mitternachtssonne sogar der gesamte Verlauf des Venus-Transits bei teilweise sehr niedrig stehender Sonne verfolgt werden konnte (z.B. in Nord-Skandinavien, Lappland, Spitzbergen), lag dieser statistische Wert sogar noch etwas höher.
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Statistische globale Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit im Juni mit Sichtbarkeitszone des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - je dunkler eine Region erscheint, desto ungünstiger fielen die lokalen Beobachtungs- und Wetterprognosen aus
Südeuropa
Bessere Beobachtungsbedingungen waren für europäische Beobachter nur im Mittelmeer-Raum (v.a. Türkei, Zypern, Israel, Ägypten) zu erwarten. Dort lag die Bedeckungs-Wahrscheinlichkeit teilweise sogar unter 30%. Wer allerdings einen Beobachtungsort mit möglichst optimalen Bedingungen suchte, musste eine längere Reise in Kauf nehmen.
Asien
Auf dem asiatischen Kontinent waren zwar bezüglich der Sichtbarkeitsdauer und der Höhe der Sonne über dem Horizont bessere geometrische Konditionen anzutreffen, aber die Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit unterschied sich unter anderem aufgrund der Monsun-Wetterlage nicht sonderlich von den Gegebenheiten in Europa.
Die besten Bedingungen boten in Asien nur die Wüste Gobi mit ihren ganzjährig geringen Niederschlagsmengen und der orientalische Raum (vor allem die arabischen Länder), von wo aus aber nur das Ende des Transits zu beobachten war.
Australien & Pazifik
Im globalen Vergleich bestanden die besten Voraussetzungen für die Pazifikinselgruppe Hawaii und den Nordosten Australiens. Im nördlichen Outback lagt die Wahrscheinlichkeit, zur Beobachtungszeit Wolken anzutreffen bei unter 20%.