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Bayern

Erlebnisberichte zur Totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999
Übersicht
Auf der folgenden Karte sehen Sie den Teil Deutschlands, der am 11. August 1999 vom Kernschatten des Mondes erfasst wurde. Hier sind die Beobachtungsorte eingezeichnet, zu denen Sie auf dieser Seite Beobachtungsberichte finden.

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Schattenpfad durch Süddeutschland (Beobachtungsberichte sind von den hier grün eingezeichneten Orten aus verfügbar)
Berichte
Christoph Rollwagen
(Kastl bei Altötting)

Die Totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999

Beobachtungsort: Kastl (bei Altötting), nahe deutsch-österreichische Grenze

Seit Monaten bereitete sich ganz Europa auf das größte astronomische Ereignis zum Ende des 2. Jahrtausends vor, bei dem der Kernschatten des Mondes die Erde im Nordatlantik berühren sollte, sich auf den europäischen Kontinent mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit zubewegen sollte, um zum ersten Mal auf den britischen Scilly-Inseln das Festland zu erreichen und wenig später Millionen Europäer und von weither angereiste Begeisterte in den Bann des mystischen Zaubers der totalen Verfinsterung der Sonne zu ziehen.
Auch ich bereitete mich seit einigen Monaten auf dieses Ereignis vor, denn als begeisterter Hobbyastronom kann man sich eine totale Sonnenfinsternis, deren Kernschatten zudem noch fast vor der eigenen Haustür verläuft, einfach nicht entgehen lassen.

Samstag, 7.08.1999, 16.00h MESZ
Mit einem geliehenen Wagen brach ich zusammen mit meinem Kumpel Patrick in den Süden auf, um unseren Unterkunftsort Kastl nahe Altötting an der deutsch-österreichischen Grenze inmitten der Kernschattenzone zu erreichen. Der eigentliche Beobachtungsort zur Finsternis wurde zwar im Vorfeld schon ausgekundschaftet, jedoch wollte ich mich noch nicht absolut festlegen, da die Wetterprognosen in den letzten Tagen vor der Finsternis nichts gutes versprachen und ich mich somit eher auf Mobilität einstellte.

Dienstag, 10.08.1999, nachmittags
Den 10. August, also den Tag vor der Finsternis verbrachten wir mit dem vollständigen Astro-Equipment im Kofferraum in der bayerischen Landeshauptstadt München, in der Absicht hier auch die Nacht bei einem Bekannten zu verbringen und am nächsten Tag irgendwo in der Umgebung die Finsternis zu beobachten, denn der letzte Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes, den ich zu lesen bekam, prognostizierte für München bessere Wetterbedingungen als für unseren Unterkunftsort.
Ein strahlend blauer Himmel am Abend des 10. August ließ mich hoffen, doch um absolut sicher zu gehen, ging ich in ein Internet-Café und sah mir den aktuellsten Wetterbericht des DWD an, der nun, nur noch 16 Stunden bis zur Finsternis, schon recht zuverlässig war. Die Stadt München, wie auch der Großteil Bayerns und Baden-Württembergs sollte demnach unter einer größtenteils geschlossenen Wolkendecke liegen, aus der sich ab und zu auch einige Regenschauer ergießen sollten. Die einzigen Regionen Deutschlands, die noch ein wenig erfolgsversprechend aussahen, waren das Saarland und das Chiemgau, sowie das Berchtesgadener Land. Da wir diese Finsternis nicht ins Wasser fallen lassen wollten und die Wetterbedingungen für Kastl zwar sehr unzuverlässig aber dennoch besser als jene für München waren, beschlossen wir nach einer ausgiebigen Tour durch München wieder zu unserer Unterkunft zurückzukehren.

Mittwoch, 11.08.1999, 10.00h
Da wir dort erst spät nach Mitternacht wieder ankamen und länger schliefen als geplant, mussten die Beobachtungsvorbereitungen für die Finsternis in rasantem Tempo ablaufen. Doch der erste Blick aus dem Fenster ließ auch schon wieder jegliche Erwartungen vergehen. Der vormittägliche Himmel präsentierte sich uns grau in grau und zudem sah es so aus, als ob sich jeden Moment aus der trüben Wolkendecke über uns ein Schauer ergießen könnte.

Der erste Kontakt stand nicht mehr lange bevor. Jetzt noch die Sachen zusammenzupacken und den Beobachtungsort zu wechseln erschien mir nicht mehr sehr vorteilhaft, da wir dann die erste partielle Phase sicherlich größtenteils verpasst hätten und möglicherweise an einem anderen Ort auch keine besseren Wetterverhältnisse vorgefunden hätten - im Nachhinein betrachtet eine Fehlentscheidung.

11.30h
Immerhin blieben uns bis zur Totalität noch mehr als eine Stunde in der sich das Wetter noch verbessern könnte. Nun ging es darum auf der Wiese vor dem Haus - dem nun offiziellen Beobachtungsplatz - die Kameras und das Teleskop aufzubauen. Ab und zu ließ sich jetzt die Sonne sogar durch einige kleinere Wolkenlöcher hindurch sehen. Ein kurzer Blick durch die Finsternisbrille ließ erkennen, daß der Mond bereits begann, sich über unser Zentralgestirn hinwegzubewegen - ich hatte in der Eile den ersten Kontakt verpasst.
Nachdem alle Geräte aufgestellt und ausgerichtet waren, konnte man die nun nach und nach immer stärker vom Mond bedeckte Sonne auch ab und zu beobachten, wenn Wolkenlücken es zuließen. Teilweise war dies auch ohne Finsternisbrille möglich, da die Wolken selbst schon eine hervorragende Filterwirkung mit sich brachten.

12.10h
Die Minuten bis zum 2. Kontakt verflossen immer rasanter und im Fernsehen flackerten die ersten Bilder von Reportern aus Cornwall, die in der Dunkelheit der Finsternis kaum erkennbar waren. Auch Cornwall lag unter einer dichten Wolkendecke, der Reporter sprach von einer beklommenen, jedoch eindrucksvollen Stimmung in der Bevölkerung. Sollte es uns auch so ergehen?

12.25h
Der Kernschatten schien nun immer schneller auf uns zuzurasen und die Nervosität stieg und stieg. Das Ereignis auf das ich mich seit Jahren vorbereitete, lag nun zum greifen nah und doch zugleich weit verborgen unter einer dicken Wolkendecke. Auch die Fernsehübertragungen aus Frankreich ließen keinen unverhüllten Blick auf die total verfinsterte Sonne zu. Der Kernschatten kam unabwendbar auf uns zu und das Wetter verschlechterte sich deutlich.
Ungefähr zehn Minuten vor dem zweiten Kontakt begann es dann auch noch zu regnen - Enttäuschung machte sich breit. Schnell mussten wir Plastiktüten über die Kameras ziehen, um sie vor dem Regen zu schützen. Ständig wurde der Himmel beobachtet, ob nicht doch vielleicht ein kleines Wolkenloch zu erkennen wäre.

12.35h
Am Westhorizont erschien es dann so, als würde sich das triste grau der Regenwolken etwas in ein helles blau verwandeln - und der Eindruck täuschte nicht! Nur wenige Minuten vor dem zweiten Kontakt hörte es auf zu regnen und ein größeres Wolkenloch öffnete sich und steuerte auf die extrem schmale Sonnensichel zu, die nun wieder durch die Wolken hindurch zu erkennen war. Schnell wurden alle Kameras wieder ausgepackt, der Adrenalinspiegel schoss in die Höhe, es konnten nur noch wenige Sekunden sein, bis die Sonne vollständig von Mond bedeckt wird.

12.38h
Am Westhorizont konnte man deutlich erkennen, wie der nahende Mondschatten einen schwarzen Vorhang entstehen ließ, der auf bedrohliche Art und Weise immer größer zu werden schien. Das Licht wurde nun deutlich fahler, die rasierklingenscharfe Sonnensichel schrumpfte in unglaublichem Tempo zusammen - die Ereignisse überschlugen sich innerhalb weniger Sekunden.

12.39h
Doch das nun schon recht große Wolkenloch hatte es noch nicht geschafft die Sonne zu erreichen. Ich nahm meine Kamera um den nahenden Mondschatten zu fotografieren, als ich bemerkte, daß sich der Horizont in ganz merkwürdigen Farben darstellte. Der zweite Kontakt! In unglaublicher Schnelle veränderte sich das Aussehen des Himmels, wie ich es von Finsternisaufnahmen bereits kannte. Die dunklen Wolken bildeten einen hervorragenden Kontrast zu dem farbenprächtigen Finsternishimmel. Da plötzlich der Ausruf eines Hausbewohners: "Da schaut's! I seh a Korona!". Tatsächlich, durch etwas dünnere Wolken hindurch konnte man die inneren Bereiche der Korona erkennen, ein kleiner heller Ring stand über uns am Himmelszelt. Im Fernglas konnte ich aufgrund der schlechten Sicht zwar keine Protuberanzen erkennen, jedoch bot sich mir ein Anblick der Sonnenkorona dar, wie ich ihm mir nicht hätte vorstellen können. Kein gleichmäßiger Kranz um die verdunkelte Sonne herum war zu erkennen, sondern eher viele kurze unterschiedlich helle Strahlen, die hinter dem Mondrand hervorbrachen.

12.40h
Die vor dem 2. Kontakt ausgebrochene Panik war nun vollkommen verflossen - absolute Stille um uns herum. Die Welt schien in einen Winterschlaf gefallen zu sein. Ich selbst war von den Ereignissen um uns herum so gebannt, daß ich vergaß, Fotos der Totalität zu machen, obwohl ich den Belichtungsablauf oft genug durchgegangen bin. Meine Konzentration lag weniger auf der kaum erkennbaren Korona, als vielmehr bei den ungewöhnlichen Landschafts- und Himmelseindrücken um uns herum.
Bei der Betrachtung der Landschaft und des Horizonts fiel mir auf, daß ich mir die Totalität viel dunkler vorgestellt hätte. Es war zwar deutlich dunkler als am Tage, jedoch brach auch nicht die absolute Nacht ein, vieleher überkam uns plötzlich eine fortgeschrittene Dämmerung.
Die Stimmung hielt sich in Grenzen. Jeder der dort anwesenden Personen (ca. 10) war von dem Ereignis gebannt und teilweise sprachlos, für mich war es der Moment der Absolution.

12.41h
Im Süden funkelte ein heller Stern. Außer Sirius konnte ich keine weiteren Sterne erkennen, die Bewölkung lies dies nicht zu. Das Perlschnurphänomen und den Diamantringeffekt hatte ich vor Aufregung vollkommen verpasst.

Im Westen konnte man nun erkennen, wie bereits die ersten Wolken wieder vom Sonnenlicht erfasst wurden. Die Sonne selbst war von unserem Beobachtungsort aus wieder hinter einer dunklen Wolke verborgen - das Wolkenloch hatte es nicht geschafft die Sonne zu erreichen und der dritte Kontakt wird auch wieder nicht zu erkennen sein. In wenigen Sekunden wird die Vorstellung der Naturphänomene beendet sein.

12.42h
Wie nach einer Vorstellung in der Oper beginnt es nun ganz deutlich heller zu werden. Ganz plötzlich erhellt sich der Westhorizont stark und der Rand des Kernschattens zieht über uns hinweg. Die Menge stößt ein lautes: "Ahhhh, ohhhhh" aus da es nun immer heller und heller wird. So deutlich ist mir das Dunklerwerden gar nicht bewußt geworden. Es erscheint, als würde die gesamte Welt mit einem Ruck wieder erwachen. Nur noch der Osthorizont ist noch deutlich in Dunkelheit verhüllt.

Die totale Finsternis ist vorüber und die Normalität kehrt wieder ein. Zweieinhalb absolut überwältigende Minuten liegen hinter uns und sie waren die lange Reise hierher und die viele Hektik im Vorfeld mehr als wert. Als krönenden Abschluß wurde auf das zurückliegende Ergeinis dann noch mit einem Glas Sekt angestoßen.

bis ca. 14h
Die zweite partielle Phase ließ sich nun wesentlich besser beobachten, da sich das Wetter etwas verbesserte. Bis zum Schluß, also zum vierten Kontakt beobachtete ich die Finsternis, danach wurde die gesamte Ausrüstung wieder abgebaut. Das weiße Bettlaken zur Beobachtung der fliegenden Schatten war vollkommen durchnässt. Eigentlich kam es mir so vor, als hätte ich es erst gerade dort abgelegt - die letzten Stunden vergingen wie im Flug.

Mittwoch, 11.08.1999, nachmittags
Die große Euphorie wurde eigentlich nur von den Erzählungen anderer Beobachter überschattet, die nur wenige Kilometer südlich von Kastl die Totalität ohne jede Bewölkung erleben konnten.

Zusammenfassung
Der Wetterbericht traf größtenteils zu. Das Chiemgau und das Berchtesgadener Land erlebten eine Finsternis, wie sie im Buche steht. Obwohl unser eigentlicher Beobachtungsplatz nahe Tittmonig (wenige Kilometer südlich von Kastl) uns einen erstklassigen Blick auf die Korona gewährt hätte, können wir doch alles in allem mehr als zufrieden sein, denn ein Großteil der Beobachter in Frankreich, Deutschland und Österreich erlebten eine Finsternis unter Wolken, bei Regen oder sogar bei Gewitter. Auf jeden Fall waren diese wenigen Minuten der himmlischen Finsternis ein unvergessliches Erlebnis und bei der nächsten Sonnenfinsternis 2001 wird es ganz bestimmt ebenso sein!

Rainer Meier
(Bad Füssing) [»eMail]

Ich hatte die Sonnenfinsternis direkt vor der Nase in Bad Füssing. Es zogen vor der eigtl. Totalität noch husch ein paar Wolken vorbei dann kam Sie in Vollster Pracht und Schönheit. Ein Klasse Erlebnis <..Gruß an Stuttgardt :-)) *lol*..>

Marco Quiner
(Violau bei Augsburg) [»eMail]

wir sind um 5.30 mit einem bus nach vielau aufgebrochen (direkt auf der null-linie). alle hofften, daß sich die wolken verziehen würden. das taten sie auch - zumindest zeitweise. wir bauten ein LX 200 auf und freuten uns über den first contact den wir sehr gut beobachten konnten. dazwischen waren immer wieder große wolkenfelder - dennoch konnten wir schöne bilder von der sich bedeckenden sonne machen. wir konnten die sonne sehen, bis sie ca zu 95 % bedeckt war. dann geschah das unmögliche. eine gewitterfront wie ich sie noch nie (zumindest im freien) erlebt hatte ist genau über uns drüber gezogen. wir konnten gerade noch das LX abdecken und flüchteten uns dann zu 5. unter einen kleinen schirm. ohne großen erfolg. bisher war ich nur im schwimmbad oder unter der dusche so naß gewesen - ich war total durchweicht - selbst mein geldbeutel samt inhalt war hinüber und auch der inhalt meines rucksacks war nicht mehr zu gebrauchen. dennoch war die totalität ein erlebnis. wir standen total naß unter dem pseudo-schutz regenschirm als plötzlich das licht immer schwächer wurde. es war als würde ein dimmer betätigt als der schatten auf uns zuraste. mit dem schatten kam auch der finsternis-wind und zwar gewaltig. wir wurden für einige sekunden von dem wirklich kalten wind richtig durchgeschüttelt. es war wirklich ein erlebnis. um uns herum wüteten die naturgewalten und wir konnten die totatlität - so wir sie auch nicht sehen konnten - am eigenen leib spüren. alle waren irgendwie ergriffen und doch froh (auch wenns keiner zugeben will) als die sonne wieder scheinte. kaum war die sonne wieder da, verschwand auch das gewitter ins nichts. wir waren patschnaß und mußten noch 8 Stunden mit den naßen klamotten rumlaufen was nicht gerade angenehm war (spaßeshalber verpaßten wir uns den namen "extrem eclipse hunter") und haben uns schon für die nächste eclipse gedanken gemacht.

Torsten Baumbach
(nahe Altötting) [»eMail / »Home]

Wind, Sonne, Regen, Hagel und dann doch: die totale Sonnenfinsternis

Unser Standort:
GPS Mittelwerte von 10.30-13.00MESZ (gemessen alle 5 Minuten): 48°09'14.6"N , 12°35'55.9"E, 454 müNN
=» Abstand zur Zentrallinie 1.32km

Prosa:
Ein abgelegenes Feld wenige 100 Meter rechts neben der B299 zwischen Unterneukirchen und Garching an der Alz. Weiter Blick in Richtung Osten.

Punkt 4.00 Uhr sind wir am Wohnort (Gera in Thüringen) losgefahren. Im Gepäck: Spiegelteleskop (114mm/1000mm), Nachführmotor, Spiegelreflex Minolta Dynax 500si mit AF-Zoom 35-80mm und Spiegel-Teleobjektiv 500mm, Digitalkamera Kodac DC210, Canon Videokamera Hi8, viele Stative, weißes Bettlagen, ca. 20 Filme von DIN50 bis DIN800, ca. 20 Filter und 10 Sonnenfilterbrillen, Kompaß, Wasserwaage, GPS, Handheld PSION Serie5, eine stabile Maler-Abdeckplane (falls es doch einmal regnen sollte...) und einen Liegestuhl.
Bis dahin stand nur fest, es geht Richtung Süden - also drauf auf die Autobahn (die schon um diese Zeit ziemlich belebt war) und immer wieder Wetterbericht hören. Kurz vor Nürnberg entschieden wir uns dann für den Chiemgau in Bayern, also den Ort, den wir schon seit Monaten geplant hatten. Trotz vieler Meldungen in den Nachrichten, die ja das Saarland bis Stuttgart empfahlen, verließen wir uns auf die Internet-Tabellen des DWD, die schon am Abend vorher für Stuttgart 100% bedeckten Himmel vorausgesagt hatten und fuhren in das dort empfohlene Gebiet Passau-Salzburg-München. Glücklicherweise konnten wir jeden Stau umgehen und kamen gegen 10.00 am Beobachtungsstandort an. Schon auf der Fahrt ließen die Verkehrsmeldungen (...alle Rastplätze überfüllt, Umgehungsstraßen verstopft...) und auch die eigenen Beobachtungen von überfüllten Feldwegen am Rande der Bundesstraßen die innere Anspannung und das Bewußtsein eines bevorstehenden Ereignisses besonderer Art steigen. Der Standort bezüglich der Zentrallinie war mit einem selbst geschriebenen Programm schnell überprüft und auch visuell sagte uns das ausgesuchte Feld mit freiem Blick in alle Richtungen zu. So waren die mitgebrachten Gerätschaften schnell aufgebaut. Das Wetter ließ weder allzugroße Hoffnungen noch zu großen Pessimismus zu. Dicke Wolken wechselten sich schnell und regelmäßigen mit großen und kleinen Wolkenlücken ab. Gegen 11.00Uhr fing es das erste Mal an zu regnen, aber der 1. Kontakt konnte dann ohne Störungen beobachtet werden. Da wir eine partielle Sonnenfinsternis schon erlebt haben, war das zwar nicht so aufregend, aber stimmte uns dennoch auf das Kommende ein. Ab und zu schoben sich größere Wolken vor die Sonne, trotzdem konnten wir während der partiellen Phase regelmäßig beobachten und fotografieren. Eine schöne Gruppe von Sonnenflecken bot auch die Möglichkeit die Begegnungen Mondrand-Sonnenfleck mit Okularprojektion festzuhalten. Inzwischen sind wir auch in dieser "Einöde" nicht mehr allein, sondern 4 weitere Autos mit zugehörigen "Finsternishungrigen" besiedelten das Feld. Gegen 12.00 zog sich dann der Himmel vollständig mit dunklen Regenwolken zu und kurz darauf machte sich die Abdeckplane bewährt, es regnete und hagelte. Alle anderen Beobachter hatte während des Regens ihre Telekope eingepackt und waren verschwunden, doch unsere Hoffnung machte sich bezahlt: 12.20 hörte der Regen auf. Schnell alle Geräte ausgerichtet, Filme gewechselt, Filter geprüft. Nun fehlte nur noch eine Wolkenlücke - und sie kam. 12.35 konnten wieder die ersten Fotos der schmalen Sonnensichel gemacht werden.
Eine kleine Wolke ließ uns zwar dann den 2. Kontakt verpassen, aber die nächste Lücke mit vernachlässigbarem Wolkenschleier gönnte uns über eine Minute Totalität. Es war überwältigend. Unsere Gänsehaut war nicht nur durch den Temperaturabfall von 23 auf 16.5°C bedingt. Keine noch so ausführliche Fernsehsendung, keine noch so große Fotosammlung, kein noch so ergreifender Erlebnisbericht kann diese Sekunden beschreiben. Diese plötzlich einbrechende Dunkelheit, (von wegen, man könne noch Zeitung lesen), diese dunkle Scheibe mit schmalem, rötlichen Rand und hellem Strahlenkranz ... Die wenigen Fotos mußten wirklich mechanisch ablaufen (die Trockenübungen hatten sich gelohnt), ansonsten wäre man zu sehr von diesem Anblick gefesselt gewesen. Auch wenn wir beim 3. Kontakt durch Wolken wieder auf Perlschnureffekt und Diamantring verzichten mußten, war das Erlebnis überwältigend genug, um Pläne für die nächte Sonnenfinsternis zu schmieden. Wenige Sekunden später war es wieder hell und wir begannen mit dem Abbau, da die herannahende Wolkenfront keine Aussichten mehr auf die zweite partielle Phase versprachen.
Alles in allem: Angesichts des Wetters über Deutschland war unser Standort fast optimal und keine noch so 99,999999%-ige partielle Sonnenfinsternis kann diesem Erlebnis das Wasser reichen. Und nach einer Anreise von 450km ein Wolkenloch zu treffen, schafft man auch nicht jeden Tag ...

Bertram Lueckehe
(München) [»eMail]

Ich habe die Finsternis vom Dach der TU in Muenchen beobachtet. Der Himmel war starkt bewoelkt, doch gegen 12:20 kam ein grosses Wolkenloch, durch dass man die Sonnensichel gut beobachten konnte. Leider verschwand dieses dann gegen 12:30 wieder, eine dicke Wolke schob sich zwischen uns und die Sonne. Als es dunkel wurde fing es dann noch in Stroemen an zu regnen. Wir standen mit vielen Leuten auf dem Dach und mussten alle lachen. Die Wolkem am Himmel veraenderten sich staendig. Zur Zeit der Finsternis war es um uns herum dunkel, doch die Wolken weit weg am Horizont leuchteten hell. Ueberall auf den andern Gebaeuden standen Menschen und beobachten das Ereignis. Die sonst so belebten Strassen waren leer, kein fahrendes Auto war weit und breit zu sehen. Als es wieder hell wurde, als haette jemand einen Dimmer aufgedreht, hoerte der Regen wieder auf. Da die Sonne aber immer noch hinter Wolken versteckt war, klappten die Leute ihre Sonnenbrillen ein, bauten Stative mit Fotoapparaten und Teleskopen wieder ab und verschwanden wieder im Alltagsleben.
Spaeter am Bahnhof traf ich dann Freunde, die die Finsternis von einem tandort nur etwa einen Kilometer weiter suedlich beobachtet hatten. Sie hatten Glueck gehabt, das Wolkenloch war zur richtigen Zeit bei ihnen...

Friedrich Wilhelm Wieland
(nahe Miesbach in den Schlierseer Alpen) [»eMail]

Das war ein ziemlicher Reinfall, obwohl wir einen Standort nahe Miesbach in den Schlierseer Alpen gewaehlt hatten.
Waehrend der partiellen Phasen der Finsternis hatten wir wie an den von ARD und ZDF gewaehlten in der Naehe befindlichen Orten Irschenberg und Hittenkirchen Sonnenschein mit blauem Himmel und wenigen duennen Wolken. Jedoch naeherte sich aus Richtung Muenchen die Schlechtwetterfront. Eine Wolke aus dieser Front versperrte natuerlich die Sicht auf die Sonne und Korona.
Im Grunde war dies bereits zu befuerchten, so dass ich eigentlich einige Kilometer weiter nach Osten oder Suedosten fahren wollte. Leider waren meine Mitstreiter anderer Ansicht, so dass ich an obigem Ort aufbaute. Bis ca. 5 Minuten vor dem 2. Kontakt hatte ich noch Hoffnungen, da die Wolken im Prinzip an der Sonne vorbeizogen. Eine machte jedoch einen kleinen Schwenk, was aufgrund der Dicke der Schlechtwetterwolke die Sicht voellig versperrte, nachdem auch ein Loch in dieser Wolke weitergezogen war. Dies geschah ca. 1-2 Minuten vor dem 2. Kontakt. Es waere besser gewesen, ca. 10-15 Minuten vor dem drohenden Unheil den Standort zu einem Wolkenloch in ca. 5-10 km Entfernung zu verlegen. Leider war dies erst nach Ende der Totalitaet moeglich. Anschliessend konnte ich noch ein paar weitere Aufnahmen der partiellen Finsternis machen.
Bekannte aus den USA hatten in Frankreich sogar noch mehr Pech. Sie konnten die partiellen Phasen nur durch dicke Wolken verfolgen. Interessanterweise war der klare Himmel im Sueden waehrend der Totalitaet ueberraschend hell -etwa soll hell wie waehrend der buergerlichen Daemmerung. Das war ja bereits zu erwarten. Sterne konnte ich daher zumindest ohne Feldstecher am Horizont nicht erkennen.
Offensichtlich hatten wir nach den Wetterprognosen, Live-Bildern und Satellitenbildern einen guenstigen Standort gewaehlt, hatten aber dennoch kein Glueck. Das lag auch daran, dass wir erst gegen 9:00 Uhr von Boll aus losgefahren sind und durch einen Abstecher nach Erding wertvolle weitere Zeit verloren hatten. Aufgrund des Staus in Bad Aibling verliessen wir daher in Irschenberg die Autobahn in Richtung Schlierseer Alpen, da dort das groesste wolkenfreie Gebiet im Schutz der Alpen lag. Wir trafen daher erst gegen etwa 11:20 Uhr an unserem Beobachtungsplatz ein. Es waere evtl. guenstiger gewesen, auf der Landstrasse weiter nach Osten und Suedosten zu fahren. Urspruenglich wollte ich bis nach Salzburg fahren, um ganz sicher zu sein, die Finsternis zu erleben. Dazu war es bei dem starken Verkehr nahe Irschenberg leider zu spaet und wir konnten nicht einmal den Chiemsee sicher puenktlich ueber die A8 (ausgenommen Landstrasse ab Irschenberg) erreichen.
Fazit: Haetten wir nicht durch Sucherei nach Ausruestung, Schluesseln und Diskussionen ueber die widerspruechlichen Wetterprognosen so lange mit der Abfahrt gezoegert, haetten wir vielleicht Glueck gehabt. So bleibt nur die Chance, Protuberanzen mit einem (selbstgebauten)  H-alpha Lyot-Filter in Zukunft sichtbar zu machen.
Wenn ich etwas Zeit habe, werde ich solch einen Filter bauen. Einige Vorarbeiten und Tests hierzu mit einem ungeschliffenen Kaliumdihydrogenphosphat-Kristall und einem Spektroskop sind bereits erledigt. Da ich einige Erfahrung in der Herstellung optischer Komponenten wie Spiegel, optische Fenster und Schmidtplatten habe, sollte solch ein Filter relativ problemlos herstellbar sein. Einziges Problem ist die Herstellung bzw. der Kauf geeigneter doppelbrechender Kristalle. Quarz ist schwierig zu beschaffen und muehsam zu bearbeiten und auszurichten. Fertige KDP-Kristalle sind zu teuer. Man kann sie jedoch durch Abkuehlungszuechtung in riesiger Groesse herstellen. Calcit in guter Qualitaet ist ebenfalls schwer beschaffbar und das genaue Zurechtschneiden ein Problem.
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